Radevormwald: Impf-Empfehlung fehlt noch
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 03.10.2009Radevormwald (RPO). Wahrscheinlich ab Ende Oktober wird in Radevormwald gegen die Schweinegrippe geimpft. Der Leiter des Ärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes ruft vor allem chronisch Kranke dazu auf, sich impfen zu lassen.
Die grobe Planung für die Schweinegrippe-Impfung steht, aber noch fehlen verbindliche Aussagen der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes und des Paul-Ehrlich-Instituts, die für Zulassung und Durchführung zuständig sind. Dr. Thomas Bauer, Leiter des Ärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes des Oberbergischen Kreises, teilte auf BM-Anfrage mit, dass die freiwillige Impfung "die Schwächsten der Schwachen" erreichen soll, aber nicht flächendeckend alle Bürger. Wer sich impfen lassen sollte, wird nächste Woche bekanntgegeben. "Wir warten händeringend auf die Empfehlung, denn nur so können wir Risikopatienten schützen", sagte Bauer.
Chronisch Kranke
Risikopatienten Empfohlen wird die Impfung vor allem Übergewichtigen und chronisch Kranken.
Erkrankte Zurzeit gibt es in Oberberg 58 Schweinegrippefälle.
Impfstoff Die 16 Bundesländer haben 80 Millionen Dosen des Impfstoffs bestellt, NRW zehn Millionen. Pro Woche kann Oberberg (280 000 Einwohner) bis zu 2300 Dosen je 100 000 Einwohner anfordern – und das über 14 Wochen.
Apotheken verteilen Impfstoff
Die Koordinierung der Aktion sollen die unteren Gesundheitsbehörden unternehmen, allerdings sei man auf die Unterstützung der niedergelassenen Ärzte angewiesen, um chronisch Kranke zu erreichen. Zudem werde die Impfung allen angeboten, die in die Pflege und Versorgung kranker Menschen eingebunden sind. Die Gesundheitsämter der kreisfreien Städte und Kreise übernehmen nach Angaben von Bauer die Logistik der Verteilung des Impfstoffes.
"Nur die Gesundheitsämter können nach Vorgabe des Ministeriums den Impfstoff anfordern", erklärte er. Dies geschehe wöchentlich. Die Verteilung an die Ärzte erfolge über ausgewählte Apotheken. Bei den Ärzten, die die Impfung anbieten, wird es wahrscheinlich spezielle Impfsprechstunden geben.
Die Kritik vieler Ärztekollegen an der Impfung kann Bauer nicht verstehen. "Der Trägerstoff wird seit zehn Jahren benutzt. Neu hinzugekommen ist ein Beschleuniger, der das Immunsystem anregt, schnell Antikörper zu bilden", erklärte er. Mittlerweile habe eine zweite Influenza-Welle Mexiko erreicht – mit deutlich mehr Komplikationen für Infizierte. "Deshalb ist es wichtig, dass wir jetzt alle Risikopatienten impfen", sagte Bauer. "Wobei ich den Eindruck habe, dass zurzeit nur etwa 12 bis 15 Prozent der Menschen eine Impfung wollen."
Das Risikoprofil vergleicht Bauer mit einer Tetanus-Impfung. Von neurologischen Nebenwirkungen, wie von einigen Kollegen befürchtet, sei ihm nichts bekannt. Er appelliert an Oberbergs Mediziner, sich sachlich und fachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. "Man muss schauen, wen ich durch unfachliche Aussagen verängstige", betonte Bauer, der zurzeit regelmäßig in Radevormwald und Hückeswagen unterwegs ist, um Kollegen aufzuklären und mit ihnen über die anstehende Impfung zu sprechen. "Ich stelle immer wieder eine Verunsicherung fest, deshalb ist Aufklärung so wichtig", meinte Bauer.
Hotline Gesundheitsamt in Gummersbach, Tel. 02261 887766.
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