Radevormwald: Karneval – keine blauen Briefe
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010Radevormwald (RPO). Die gute Präventionsarbeit der Polizei sorgt dafür, dass es dieses Jahr zu Karneval erstmals keine Platzverbote für Radevormwalder gibt. 2007 hatten noch 16 Jugendliche und junge Erwachsene Post von der Polizei bekommen.
Wenn am Donnerstag mit Altweiber die heiße Phase des Karnevals eingeläutet wird, dann dürfen in Radevormwald alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren mitfeiern.
Keinen einzigen "blauen Brief" musste die Polizei verschicken. Wer in der Vergangenheit bei Veranstaltungen durch gewalttätiges Auftreten aufgefallen ist, für den kann die Polizei anordnen, sich an festgelegten Zeiten von bestimmten Veranstaltungen fernzuhalten. Das wird in dem "blauen Brief" festgelegt.
2007 gab es diese Verbote erstmals – und Radevormwald war mit Abstand Spitzenreiter im Kreisgebiet. 16 Betroffene erhielten einen "blauen Brief". 2008 waren es unwesentlich weniger, 2009 nur noch eine Person und 2010 keine mehr.
Gemeinsame Streifen
Team Um die Präventionsarbeit in Radevormwald kümmern sich in erster Linie Wachleiter Frank Schultes und seine Kollegen, die Hauptkommissare Rüdiger Eicker und Klaus Germann.
Karneval Die Polizei des Oberbergischen Kreises kündigt an, dass es in der närrischen Zeit auch gemeinsame Streifen mit den Ordnungsämtern vor Ort geben wird.
Spürbar beeindruckt
"In Radevormwald haben wir eine sehr positive Entwicklung", sagt Hauptkommissar Martin Heuer, der in der Einsatzdirektion für die Gefahrenabwehr zuständig ist. Die bislang Betroffenen seien zwar noch immer im "Flegelalter", die "blauen Briefe" hätten sie aber spürbar beeindruckt. Trotzdem gebe es zum Schützenfest und zur Pflaumenkirmes noch immer potentielle Kandidaten, die aufgrund ihres Verhaltens auffällig werden.
Doch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollten aufpassen: Alles, was sie in den zurückliegenden zwei Jahren verbrochen haben, kann in einen "blauen Brief" mit einfließen. Wer sich nicht an die Anordnung hält, muss ein Bußgeld zahlen. "Reicht das nicht, geht es für einige auch in die Zelle", sagt Heuer. Der Straftatenkatalog reicht von Körperverletzung und Sachbeschädigung über Hausfriedensbruch und Provozierung bis hin zu mehrfachen Ordnungswidrigkeiten wie Ruhestörung, Verunreinigungen oder Verstoß gegen das Alkoholverbot.
Den Erfolg in Rade führt Heuer auf die gute Präventionsarbeit der Kollegen vor Ort zurück: Rüdiger Eicker, Klaus Germann und Wachleiter Frank Schultes. "Gerade in der Karnevalszeit gehen sie gezielt in Schulklassen und informieren den Nachwuchs", sagt Heuer. In Rade seien diese Verhaltensansprachen entwickelt worden. Hierbei gehe es um das, was die Jugendlichen vermeiden sollten und um rechtliche Grundlagen (was zum Beispiel ein Türsteher für Rechte hat). Heuer betont, dass die Präventionsarbeit nicht nur zu Karneval erfolgt.
"Wir lassen übers Jahr nicht locker. In den vergangenen Jahren gab es in Rade schlimme Ausschreitungen. Das hat sich spürbar beruhigt. Vorteil sei die überschaubare Größe der Stadt. Die Polizei habe hier noch ein Gesicht und einen Namen und sei nicht nur ein anonymer Streifenwagen. "Außerdem kennen die Landkollegen ihre Kandidaten." Da reiche oft ein Blick ganz ohne Ansprache. Heuer appelliert an alle Narren, friedlich und ohne Aggression zu feiern. Störer und Unruhestifter werde die Polizei in Gewahrsam nehmen und Betretungsverbote erteilen. Und im nächsten Jahr droht ein "blauer Brief".
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