Radevormwald: Kleine Hilfe, große Wirkung
VON SEBASTIAN RADERMACHER - zuletzt aktualisiert: 21.01.2009Radevormwald (RPO). Die Kindernothilfe wird 50 Jahre alt. Karin Hall hat im Wartburghaus eine Ausstellung über das Kinderhilfswerk vorbereitet, in der über Patenschaften von Radevormwalder Familien berichtet wird.
Voller Freude erzählt Karin Hall die Lebensgeschichte von Dr. Samuel Issmer. Er wuchs in Indien als Unberührbarer in ärmsten Verhältnissen auf. Über die Kindernothilfe, einem der größten christlichen Kinderhilfswerke, das in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen feiert, fand er Kontakt zur Familie Issmer in Radevormwald. Die Familie übernahm eine Patenschaft und unterstützte den Jungen. "Er bekam neues Selbstbewusstsein sowie Lebensmut und war der Familie über ihre Hilfe sehr dankbar", berichtet die 71-jährige Radevormwalderin.
Weil Samuel seine Verbundenheit gegenüber Ernst August und Sophie Issmer nach einem Besuch in der Bergstadt nicht in Worte fassen konnte, nahm er aus Dankbarkeit sogar den Namen seiner Pateneltern an. Anschließend absolvierte er – unterstützt von seinen Pateneltern – ein Psychologie-Studium in den USA. Später kehrte er als Dr. Samuel Issmer nach Indien zurück und gründete dort ein eigenes Hilfswerk für Kinder in Not. "Eine tolle Geschichte. Mit ein wenig Unterstützung lässt sich so viel erreichen", betont Karin Hall, die zusammen mit ihrem Mann Gernot zum Jubiläum der Kindernothilfe eine Ausstellung vorbereitet hat, die noch bis zum Ende dieser Woche im Wartburghaus zu sehen ist.
Bis Freitag geöffnet
Die Ausstellung im Wartburghaus, Andreasstraße 2, ist noch bis Freitag geöffnet; vormittags jeweils von 10 bis 12 Uhr, zusätzlich heute und am Freitag auch von 15 bis 18 Uhr. Am kommenden Sonntag, 15 bis 18 Uhr, gibt's ein Treffen für alle Radevormwalder Paten mit Kaffee, Kuchen und einem gegenseitigen Gedankenaustausch.
Anmeldungen werden im Gemeindeamt unter Tel. 677 10 entgegengenommen.
Die Kindernothilfe wurde 1959 von Christen in Duisburg gegründet mit dem Ziel, Not leidenden Kindern in Indien zu helfen.
"Mit dieser Ausstellung möchte ich zeigen, welche tollen Hilfsmöglichkeiten durch die Kindernothilfe erzielt werden", betont Hall. Mit ein wenig finanzieller Unterstützung könne einem Kind ein neues Leben geschenkt werden. Mit der Ausstellung will Hall über die Hilfsorganisation anhand von einzelnen Lebensgeschichten von Patenkindern informieren. Dabei werden an vier Stellwänden Lebensgeschichten erzählt und bildlich dokumentiert – darunter die von Samuel Issmer und weiteren Patenkindern, die Hilfe von Radevormwaldern erhalten haben.
Auch Marta Köhler und Gertrud Weitz sind von der Ausstellung und der Arbeit der Kindernothilfe begeistert. "Eine tolle Organisation. Wenn man spendet, hat man die Sicherheit, dass das Geld auch wirklich dort ankommt, wo es gebraucht wird", sagt die 83-jährige Marta Köhler.
Mittlerweile verfügt die Kindernothilfe über rund 100 000 Spender. Verteilt auf 28 Länder in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa werden zurzeit über 556 000 Kinder in mehr als 1000 Projekten unterstützt. Neben einer besseren schulischen und beruflichen Ausbildung zielen die Projekte auch immer auf die Komponenten Gesundheit und Ernährung der Kinder und Jugendlichen in Not ab.
Den Kontakt in die Bergstadt hat Dr. Samuel Issmer nach dem Tod seiner Pateneltern trotzdem wieder herstellen können. Kurios: 1998 saß Issmer am Flughafen in New York und wartete auf sein Flugzeug nach Indien. In der Wartehalle kam er mit Stefanie Ulrich aus Dahlerau, der Tochter von Norbert und Marion Ulrich, die in Remlingrade im Gemeindeamt arbeitet, ins Gespräch. "Seit diesem Treffen hat Samuel Issmer die Familie bereits fünf Mal besucht", erzählt Karin Hall freudestrahlend.
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