Radevormwald: Nur alle vier Jahre Geburtstag
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 31.12.2011Radevormwald (RP). Hans-Dieter Dörner ist eigentlich zu beneiden: Obwohl er am 29. Februar 2012 das 72. Lebensjahr vollendet, wird er eigentlich erst 18. Der Rader wurde in einem Schaltjahr geboren und feierte nur alle vier Jahre seine Geburt.
An seine Geburtstage in der Kindheit hat Hans-Dieter Dörner keine so guten Erinnerungen. Der Radevormwalder wurde am 29. Februar 1940 geboren – ausgerechnet in einem Schaltjahr, was ja nur alle vier Jahre passiert. 2012 ist es wieder so weit. Dörner feiert seinen 72. Geburtstag, obwohl er eigentlich erst 18 wird, denn richtig gefeiert wurde nur alle vier Jahre.
Niemand hat dran gedacht
"Als Kind ist das keine schöne Sache, wenn nie richtig feststeht, wann man Geburtstag hat", sagt er. Die Älteren hätten immer nur gesagt, dass er im Februar geboren sei und mithin der Geburtstag auch im Februar, also am 28. Februar, zu feiern sei. "Aber da hat niemand dran gedacht. Dieter hatte nur alle vier Jahre Geburtstag", erinnert sich Dörner.
Jahrgang 1940, Kriegskind – da gab es andere Probleme als die Festlegung eines Geburtstages. Kurios: Dörner wurde am 29. Februar 1940 um 0.30 Uhr geboren. "Meine Mutter hatte die Hebamme, Kampmanns Minneken von der Telegrafenstraße, noch gebeten, die Zeit etwas vorzulegen, aber das lehnte sie kategorisch ab", sagt Dörner. Heute kann er über die Sturheit der Hebamme schmunzeln.
Der 71-Jährige ist Ur-Rader, wohnte zunächst in seinem Geburtshaus an der Kaiserstraße 44, nach der Hochzeit an der Kaiserstraße 132. Später folgte der Hausbau an der Margarethenstraße, schließlich ein Umzug an die Richard-Wagner-Straße. Mittlerweile lebt Dörner wieder an der Kaiserstraße.
"Mit den Jahren bin ich einfach älter geworden, da waren Geburtstage nicht so wichtig", sagt er. Auch als Erwachsener hielt er die Tradition hoch, groß nur alle vier Jahre zu feiern. Seit 1956 singt Dörner im Radevormwalder Männerchor (RMC). Mit seinen Sangesbrüdern hat er insgesamt nur viermal größer gefeiert. "Ich war es ja nicht anders gewohnt, und heute feiern wir eh' nicht mehr so groß. Statt Bier und Schnaps gibt es jetzt Unmengen an Wasser", sagt Dörner und lacht.
Kuchen und kleine Geschenke
Als Kind sei es schlimm gewesen, wenn die anderen Freunde jedes Jahr feiern, man selbst aber nur alle vier Jahre. "Ich bekam zwar immer einen Kuchen gebacken und kleine Geschenke, aber feiern durfte ich nur alle vier Jahre", erinnert er sich. Auch Anrufe waren selten.
Heute ist das anders. Da hat Dörner zweimal Geburtstag, denn die einen melden sich am 28. Februar, andere wiederum erst am 1. März. In diesem Jahr waren es 26 Anrufe – verteilt auf die beiden Tage. "Wenn ich sehe, wie mein Enkel Geburtstag feiert, dann hat sich da schon vieles verändert", sagt Dörner. Zwölf bis 15 Gäste seien es immer. Und Schnitzeljagd, Kegeln oder einen Besuch im Hallenbad habe es zu seiner Kindheit auch noch nicht gegeben.
Neulich traf Dörner einen "Leidensgenossen", der auch am 29. Februar Geburtstag hat. Er begrüßte Dörner mit den Worten "Wir armen Säcke". Dörner erinnert sich noch gut daran, dass es auch seinen Eltern leid tat, wenn ihr Sohn nur alle vier Jahre Geburtstag hatte. Der Bruder hatte es da schon besser: Er hat am 11. April Geburtstag und durfte ganz normal jedes Jahr feiern.
Dörner rät Eltern, die ihr Kind an einem 29. Februar bekommen, sofort einen Tag zu bestimmen, an dem der Geburtstag regelmäßig gefeiert werden soll. "Ich würde immer den 28. Februar nehmen und ihn als klaren Termin festlegen", sagt Dörner.
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