Radevormwald: Polizei – Kradfahrer im Visier
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 15.02.2011Radevormwald (RPO). Auf Radevormwalds Straßen verunglücken immer mehr Motorradfahrer. Auch junge Autofahrer sind häufiger in Unfälle verwickelt. Am Dienstag legten die Beamten die neuesten Zahlen aus der Verkehrsstatistik 2010 vor.
In die Freude über die erfolgreichen Zahlen mischten sich bei Landrat Hagen Jobi gestern Mittag sorgenvolle Untertöne. Die Verkehrsstatistik weist die niedrigsten Zahlen seit 35 Jahren aus. Probleme bereiten aber Kradfahrer und junge Autofahrer. "Sie sind unsere Sorgenkinder", sagte Jobi bei einem Pressegespräch in Wipperfürth. Mit großem Engagement wolle sich die Polizei gegen diese Entwicklung stemmen.
2010 gab es auf den Straßen in Oberberg 804 Unfälle mit 1025 Verletzten sowie acht Tote. Zum Vergleich: 1976 waren es 68 Tote und 1983 sogar 1927 Verletzte. "Wir haben die Zahlen drastisch verringert, aber sie sind noch immer zu hoch", sagte Jobi. Deshalb wolle die Polizei 2011 die Überwachung des Verkehrs weiter verstärken, um schwere Unfälle zu vermeiden. 72 Prozent der Verunglückten auf dem Motorrad hatten ein Kennzeichen aus einem der umliegenden Kreise. "Wir begrüßen gerne Gäste, aber sie sollen gesund nach Hause kommen", sagte Jobi.
Verkehrsunfallstatistik
2010 nahm die Polizei 7168 Verkehrsunfälle auf. Dabei gab es acht Tote, 241 Schwerverletzte, 784 Leichtverletzte und einen Gesamtsachschaden von gut 89,4 Millionen Euro.
Bei der Verunglücktenhäufigkeit (auf 100 000 Einwohner berechnet) der Schwerverletzten liegt der Oberbergische Kreis mit 85 deutlich über dem Landesdurchschnitt von 68.
18 Prozent aller der Polizei bekannten Unfälle sind Fahrerfluchten – Aufklärungsquote: 55,9 Prozent.
612 Unfälle, 88 Verletzte in Rade
In Rade gab es im vergangenen Jahr 19 Unfälle mit Kradfahrern (2009: 8) und 21 Verletzte (2009: 9). Auch junge Erwachsene als aktive Teilnehmer am Straßenverkehr verunglückten in Rade häufig. Hier gab es 21 Beteiligte, davon verletzten sich 15 – zehn mit Pkw, fünf auf dem Motorrad. Insgesamt verzeichnete die Polizei in Rade 612 Unfälle (2009: 543) mit 88 Verletzten – 29 Schwer- und 59 Leichtverletzte.
"Gerade junge Erwachsene haben einen hohen Anspruch an die Mobilität und gestalten ihre Freizeit zu eher exotischen Zeiten", sagte der Erste Polizeihauptkommissar Henning Setzer, Direktionsleiter Verkehr. Vor allem Unfälle nach einem Discobesuch bereiten der Polizei Probleme. Er betonte, dass nur die Zahl der Leichtverletzten rückgängig sei. Bei den Schwerverletzten falle der Oberbergische Kreis im Vergleich zu anderen Kreisen deutlich auf. "Wir haben hier große Flächen, sind sehr zersiedelt und verfügen über ein großes und weites Straßennetz", sagte er. Ob zur Schule, zur Arbeit, zum Einkauf, zum Freizeitvergnügen – die meisten Leute müssten fahren, der Individualverkehr sei stark ausgeprägt. Zudem gebe es viele bergige und kurvige Strecken.
Auffallend sei, dass oftmals nicht die Überschreitung des Tempolimits für einen Unfall verantwortlich sei. "Viele Kradfahrer beherrschen ihre Maschine nicht, fahren nicht ihren Fähigkeiten entsprechend oder schätzen die Verkehrslage falsch ein", sagte Setzer. 20 bis 30 Prozent aller Unfälle mit Kradfahrer passierten 2010 am Wochenende. Erstmals erfasste die Polizei auch den Zeitpunkt der Unfälle. Am häufigsten kracht es zwischen 12 und 18 Uhr. Bei den Hauptunfallursachen rangiert das Abbiegen an erster Stelle, "die Leute übersehen den Gegenverkehr", sagte Setzer. Falsche Geschwindigkeit folge an zweiter Position, gefolgt von Fehlern bei der Vorfahrt, Alkoholfahrten, Problemen beim Abstand-Halten und Fehlern beim Überholen.
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