Radevormwald: Realschüler dürfen wählen
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Radevormwald (RP). Die Realschule hat einen Wahlpflichtbereich für die Klassen sieben und neun eingeführt. Damit sollen die "MINT"-Fächer Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gefördert werden. 150 Schüler profitieren davon.
Die Städtische Realschule setzt im Unterricht der Klassen sieben und neun künftig noch stärker als bislang auf die "MINT"- Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Eigens dafür wurde ein Wahlpflichtbereich eingeführt, in dem sich mehr als 150 Schüler ihren Lieblingskursus auswählen dürfen.
"Wir wollen dem Fachkräftemangel in den technischen Berufen entgegenwirken und unsere Schüler auf den Arbeitsmarkt noch besser vorbereiten", sagt Konrektor Klaus-Peter Wirth. Politik und Gesellschaft hätten erkannt, dass der mathematische, naturwissenschaftliche und technische Bereich dringend gefördert werden muss.
Kleine Kurse, viele Lehrer
"MINT"-Beirat
In Klasse sieben der Städtischen Realschule gibt es zurzeit zwei Förderkurse für Deutsch und Englisch mit 28 Schülern. 70 Schüler nutzen den Wahlpflichtbereich. In Klasse neun bekommen 16 Schüler eine Deutsch-Förderung, 84 wählen sich ihren "MINT"-Kursus.
Der "MINT-Beirat" mit Eltern, Wirtschaftsvertretern, Lehrern und Schülern plant das nächste Projekt: eine Vortragsreihe für Mädchen der Klassen acht bis zehn über technische Berufe.
Da sich viele Lehrer für den Wahlpflichtbereich interessieren, entstehen Kurse mit 14 bis 18 Schülern – zum Vergleich: Die Klassen haben 25 bis 30 Schüler. "In dem Bereich sollen Themen in Projekten behandelt werden, die Lehrern und Schülern am Herzen liegen", sagte Wirth. In Klasse neun stehe auch die Berufsorientierung im Vordergrund. In Klasse sieben gibt es "Phänomene der Natur", "Umwelt, Chemie und Ökologie", "Licht und Schatten im Internet" sowie "Roboter und Mechanik". Die Neuntklässler dürfen wählen zwischen "Biochemie", "Seife, Waschmittel und Kosmetik", "Programmieren in Python", "Physik für Mädchen" und "Physik am Auto".
"Unsere Schüler sollen ihre Motivation neu entdecken – unabhängig vom Lehrplan, ohne Zwangsvorgaben, die Wünsche der Schüler zählen", sagt Wirth. Auch die Lehrer profitieren. "Wenn ich mit den Schülern verstärkt experimentell arbeite, geht es nicht um Vorwissen, sondern um die Bereitschaft, Interesse zu zeigen. Das ist auch für mich entspannteres Lehren", sagt Bio- und Chemielehrer Dr. Markus Kleinschmidt.
Mehr Zeit für Dinge, die sonst kaum Platz im Lehrplan finden, sieht Julia Heinemann, die Biologie, Geschichte, Musik und Deutsch unterrichtet. "Jetzt können wir auch mal in Ruhe mikroskopieren oder sezieren", sagte sie. Wirth freut sich, dass es einen großen Umbruch bei der Gestaltung der Kernlehrpläne gibt. "Wir bekommen mehr Spielräume, um Wissen zu vermitteln, können neue Dinge ausprobieren und die Fächer künftig besser vernetzen", sagte er.
Chemie entdecken
Verstärkt gibt es nun auch außerschulische Lernorte und externe Referenten. Chemielehrer Dr. Axel Michalidis wird den Chemiewettbewerb "Chemie entdecken" erstmals in Klasse sieben anbieten. Praktisches Arbeiten steht im Vordergrund. "Wir sehen uns nicht als Heilsbringer, aber wir wollen mit mehr Spaß die Freude am Lernen wecken", sagte Kleinschmidt.
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