Radevormwald: Retter bangen um Nachwuchs
VON STEPAHN BÜLLESBACH UND LAURA LOTZ - zuletzt aktualisiert: 21.02.2012Radevormwald (RP). Durch den Wegfall der Wehrpflicht ist die Alternative, sich bei einem Ersatzdienst zu verpflichten, hinfällig geworden. Während beim THW das Interesse zurückgeht, hofft die Feuerwehr auf die Einsatzfreude der Jugend.
Stadtbrandinspektor und Feuerwehrchef Wilfried Fischer sieht (noch) keinen Grund zur Aufregung. Trotz Wegfall des Zivildienstes ist das Interesse junger Leute an der Freiwilligen Feuerwehr nicht zurückgegangen. "Als 2010 die Verpflichtung zum Ersatzdienst wegfiel, haben uns zwei Kameraden verlassen", sagt Fischer. Die anderen zwölf seien geblieben.
Die Freiwillige Feuerwehr baut seit jeher auf den Nachwuchs aus der Jugendfeuerwehr. "Da sind wir wirklich gut aufgestellt", sagt Wilfried Fischer. Seit 1973 würden die Löschzüge durch die Jugendfeuerwehr regelmäßig mit Nachwuchs "versorgt". Der Vorteil sei, dass viele Kameraden in der Jugendfeuerwehr bereits in der dritten Generation dabei seien. "Ich baue darauf, dass die auch weiterhin bei der Stange bleiben", sagt er. Viele Führungskräfte der Rader Feuerwehr hätten ebenfalls bereits in der Jugendfeuerwehr mitgewirkt.
Heimatnahe Alternative zum Bund
44 Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren – darunter zwei Mädchen – sind aktuell dabei.
Etwas anders ist die Lage beim Technischen Hilfswerk, Ortsverband Hückeswagen, das auch für Rade zuständig ist. Die Zugstärke beziffert Thomas Müller auf rund 50 Mann. Das sei ausreichend, meint der Ortsbeauftragte, dessen Verantwortlichkeit für den gesamten Norden des Oberbergischen Kreises gilt. "Doch leider ist das Interesse am THW rückläufig", sagte Müller. Er glaubt, dass das am Wegfall der Wehrpflicht liegt. "Die Leute haben nun keine Verpflichtung mehr, zu uns zu kommen", sagt Müller.
Werbung für das Ehrenamt
Bis dato war es so, dass junge Männer bei einer Verpflichtung für zuletzt sechs Jahre etwa bei Feuerwehr oder THW (früher waren es sogar zehn Jahre) nicht zur Bundeswehr mussten. Für so manche jungen Männer war das die klassische Alternative, um nicht zum Bund zu müssen. "Vor allem, weil es heimatnah war", sagt Müller, der selbst seit 25 Jahren Mitglied des THW ist. Beim THW will man deshalb auf verstärkte Öffentlichkeitsarbeit setzen, um sich wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. So läuft seit einigen Monaten die bundesweite Kampagne "Raus aus dem Alltag, rein ins THW". Doch Müller weiß: "Es ist schwierig, die Begeisterung zu wecken."
Auch Wilfried Fischer möchte sich nicht auf Verstärkung aus den eigenen Reihen verlassen. "Wir werben regelmäßig um neue Mitglieder durch Tage der offenen Tür, Veranstaltungen in den Löschbezirken und persönliche Ansprache", sagt er. "Die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement geht bei uns aber immer weiter zurück."
Die Bergische Morgenpost lohnt sich Tag für Tag - jetzt testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



