Radevormwald: Sozialfonds für arme Kinder
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 05.02.2010Radevormwald (RPO). Der Kinder- und Jugendring ist dankbar für die finanzielle Anschubfinanzierung von 10 000 Euro der Firma Kuhn Edelstahl. Mit dem Geld soll Familien künftig in Notfällen schnell und unbürokratisch geholfen werden.
Kinderarmut – ein Tabuthema. Aber ein Thema, das es auch in Radevormwald gibt. Der Kinder- und Jugendring und seine 18 Mitgliedsorganisationen stellen immer wieder fest, was es bedeutet, arm zu sein. Da fehlt Geld für eine Freizeitfahrt oder für den Eintritt zu einer Veranstaltung. Aus Scham sagen die Eltern nichts, ziehen sich zurück. Hier setzt der Sozialfonds an, den der Kinder- und Jugendring mit finanzieller Unterstützung der Firma Kuhn Edelstahl ins Leben ruft. Als Anschubfinanzierung gab die Firma einmalig 10 000 Euro.
Jetzt hofft der Kinder- und Jugendring auf Nachahmer, die armen Nachwuchs unterstützen. "Wir wollen etwas für Kinder tun, die zwar nicht in Sozialhilfe oder Hartz-IV-Förderung sind, aber in sozial-schwachen Verhältnissen leben", sagte der Vorsitzende Reiner Klausing. Viele Eltern, die aus der Arbeitslosigkeit raus seien, hätten kaum Eigenkapital, könnten ihren Kindern kleinste Wünsche nicht erfüllen. "Hier wollen wir was tun", sagte Klausing. Geschäftsführer Jochen Kersting weiß, dass sich Kinderarmut vor allem bei Bildung, Gesundheit und Teilhabe zeigt. Hier wolle man künftig schnell und unbürokratisch helfen.
15 000 Euro zu wenig
Etat Da der städtische Etat für Jugendförderung und Projekte mit 15 000 Euro sehr knapp bemessen ist, freut sich Sönke Eichner von der Sportförderung über den neuen Fonds. "Wir sind dankbar über die gute Kooperation von Jugendring und der Firma Kuhn, denn so ist Hilfe viel unbürokratischer möglich", sagte Eichner.
Parameter Die Stadt habe spezielle Parameter, an denen Bedürftigkeit gemessen werde, und da gebe es "knallharte Grenzen".
Einen guten Zweck unterstützen
Damit traf der Kinder- und Jugendring genau die Linie der Firma Kuhn Edelstahl. "Wir wollten bei unserer Abschlussaktion 2009 statt mit Blumen und Aktion-Mensch-Losen einen guten Zweck unterstützen", sagte Geschäftsführer Frank Lessing. So wurde der ohnehin schon enge Kontakt zur Kinder- und Jugendarbeit der Stadt intensiviert. "Denn Rade hat einen Bedarf", sagte Lessing. Er kennt die "Notbremse" in Remscheid, die arme Kinder mit Kleidern und Schulsachen unterstützt. "Wir wollen kleiner anfangen und uns auf die Freizeitgestaltung in freier Trägerschaft sowie auf große Notfälle konzentrieren", sagte Klausing. So solle der Fonds langsam wachsen.
"In Gesprächen mit Jugendleitern in Sportvereinen und aus dem kirchlichen Bereich hören wir immer wieder, dass es bei einigen Familien klemmt. Diese Jugendleiter sind ganz nah dran an den Schicksalen, und deshalb sollen sie uns auch über ihren Vorstand informieren", sagte Klausing. Das Geld fließe nicht als Bargeld an die Familien, sondern zweckgebunden – zum Beispiel an den Veranstalter einer Fahrt oder für ein Eintrittsgeld.
Die richtigen Familien zu finden, sei schwierig. "Viele Leute trauen sich aus Scham nicht, über ihre Armut zu reden", sagte Elsbeth Reiß, die für die Finanzen des Kinder- und Jugendrings zuständig ist. Oft würden sich die, bei denen die Not am größten ist, nicht melden.
Deshalb sollen Anfang März alle Jugendleiter zu einem Infogespräch kommen, um für den Fonds und seine Zielgruppe sensibilisiert zu werden. "Wir wollen den Blick schärfen, Kommunikation verbessern, Netzwerke schaffen, über den Tellerrand blicken", sagte Kersting.
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