Radevormwald: Streitschlichter am Gartenzaun
VON LAURA LOTZ - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Radevormwald (RP). Irmgard Lunderstädt und Hanns Neumaier helfen den Radevormwaldern, Streitigkeiten beizulegen. Im Dezember wurden die Schiedspersonen wiedergewählt. Unterstützt werden sie künftig von Manfred Seiferth.
Ab und zu muss Irmgard Lunderstädt schon schmunzeln, wenn sie daran denkt, mit was für Anliegen die Radevormwalder zu ihr kommen. "Manchmal geht es wirklich um Bagatellen, aber die Situation eskaliert trotzdem", sagt die 69-Jährige. Seit fünf Jahren hilft sie als Schiedsfrau den Bürgern, ihre Streitigkeiten beizulegen. Im Dezember wurde sie, ebenso wie ihr Kollege Hanns Neumaier, wiedergewählt.
Neu dabei ist Manfred Seiferth. Der ehemalige Vorstandssprecher der Raiffeisenbank wurde zum Stellvertreter für Lunderstädt und Neumaier bestellt. Ebenso wie Irmgard Lunderstädt – sie war jahrelang Schöffin am Amtsgericht – ist auch Seiferth "juristisch vorbelastet". Zehn Jahre lang war er als Arbeitgebervertreter am Kölner Sozialgericht. Morgen wird er vom Präsidenten des Amtsgerichts Wipperfürth vereidigt. "Im März werde ich einen Lehrgang besuchen und erst mal bei Frau Lunderstädt und Herrn Neumaier hospitieren", sagt der 68-Jährige.
Menschlich bleiben
Die bisherigen Schiedsleute arbeiten nicht gemeinsam, sondern jeder in einem festgelegten Bezirk. Während Irmgard Lunderstädt den Bezirk I (Innenstadt) betreut, kümmert sich Hanns Neumaier um die Wupperorte und einige Außenbezirke (Bezirk II). Manfred Seiferth als Vertreter wird überall eingesetzt. Rund 17 Verfahren hat Irmgard Lunderstädt in ihrer ersten "Amtsperiode" betreut. Vorwiegend geht es dabei um nachbarschaftliche Streitigkeiten wie den herüberwachsenden Busch. Aber auch mit Beleidigungen hatte sie schon zu tun. In sechs Fällen konnte sie eine Einigung erzielen. Gelingt dies nicht, können die Partien immer noch Klage bei Gericht einreichen.
"Die meiste Arbeit machen aber die Anfragen", sagt die Rentnerin. "Davon habe ich über 50 gehabt." In solchen Fällen schildern die Betroffenen ihr Problem und Lunderstädt gibt Tipps. Manchmal zeigen die sogleich Wirkung, so dass ein Schiedsverfahren gar nicht erst eingeleitet werden muss. Wenn doch, muss ein Beteiligter zunächst einen Antrag stellen.
Der Gegner bekommt dann eine Ladung zum Termin, bei dem sich Lunderstädt schließlich mit den Parteien an einen Tisch setzt und versucht, zu vermitteln. "Ich habe gemerkt, dass es wichtig ist, immer menschlich und nicht zu bürokratisch zu denken", sagt sie. Dann komme man schneller zu den Menschen durch. "Ich habe auch schon dazu geraten, einfach mal ein Bier miteinander zu trinken."
Manfred Seiferth lässt seine neue Aufgabe auf sich zukommen: "Als Bankdirektor mit 40 Mitarbeitern habe ich früher auch oft den goldenen Mittelweg finden müssen."
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