Radevormwald: Tausende feierten das Dreigestirn
VON ANTJE DAHLHAUS (TEXT) UND NICO HERTGEN (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 04.02.2008 - 12:00Radevormwald (RPO). Tausende feierten mit den RKG-Karnevalisten am Karnevalszug. Morgen endet die Session für das erste Dreigestirn mit Prinz Thomas, Bauer Stefan und Jungfrau Jörgine. Eine Reportage vom Dreigestirnswagen.
Als er morgens aus dem Fenster blickte, sorgte sich Prinz Thomas I noch, ob aus der größten Schunkelnummer der Stadt bestenfalls ein Schneewalzer werden würde, doch bereits zum Sammeln auf dem Festplatz hatte Frau Holle ein Einsehen: Strahlende Gesichter blickten in einen blau werdenden Himmel. „Soll ich, oder soll ich nicht?“ Bauer Stefan zupft auf dem Narrenwagen unsicher an seinem Plastikponcho, der ihn vor Wasserschaden bewahren soll, die acht Mädels der Dreigestirns-Garde lassen ihre Kopfbedeckungen sicherheitshalber eingetütet. Sie arbeiten sich warm.
Große Pappkartons werden aufgerissen, Hunderte von Rosen auf die Plätze verteilt, Kisten mit Weingummis, Schokoladentafeln und Pralinenschachteln bestückt. Die Fußgruppen zwischen den Wagen werden von roten Pferden und Lassohymnen beschallt. Letztere hat ungewöhnlich viele Indianer und Cowboys auf die Straße gebracht – auch die Stadtverwaltung präsentiert sich im Westernlook. Den Marterpfahl (Bürgermeisterkandidat gesucht) steuert Norbert Petri, dessen Baubetriebshofmitarbeitern es zu verdanken ist, dass der Zug fahren kann. „Wir haben seit vier Uhr geräumt“, sagt er.
Müde ist hier gegen 14 Uhr dennoch keiner, auch die nicht, die in der Express-Session von einem Termin zum nächsten eilten. „Ich glaube, es waren 72 Auftritte“, sagt „Jungfrau Jörgine“, Jörg Weber, während Kamelle fliegen – ein Ende ist nicht in Sicht. Der Zug ist für das Dreigestirn der Höhepunkt, das Ende der Narren-Saison sieht Weber „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“.
Seine Freundin sei jedenfalls froh, wenn es vorüber ist. Die Probleme haben die acht Mädels der Prinzengarde nicht. Sie schwingen munter die Beine – und damit schunkeln zwangsläufig auch alle anderen auf dem Narrenschiff mit.
Auch Prinz Thomas tanzt begeistert, während der Zug durch Neu- und Blumenstraße tuckert. Nur eines irritiert ihn: „Ist schon komisch, wenn hinter einem nichts mehr kommt“. Das Gefühl, dass sich hinter dem Prinzenwagen alles auflöst, gibt´s nur hier – denn den Rest der Strecke fährt der Zug zweimal. Wenn er denn fährt. Nach den üblichen Zwischenstopps ist für das Gefährt des Dreigestirns beim Erreichen der Kaiserstraße plötzlich Ende. Da hilft es auch nicht, wenn Bauer Stefan mit beherzten Sprüngen den Wagen zum Wackeln bringt – nach vorn bewegt sich nichts.
Verursacher ist der Wagen der Party-Skitour-Zillertal. Eine defekte Zugmaschine legt den Wagen vorm „Warsteiner Treff“ lahm. Etwa 30 Minuten geht nichts. Hilfestellung gibt die Spedition Budde. Die zieht eigentlich den Wagen der Ispingrader Dorfgemeinschaft, betätigt sich aber gern auch als Abschlepphilfe. Dafür gibt´s Applaus. Die Kattwinkeltruppe nimmt es sportlich und wird Fußgruppe.
Und endlich erreicht das Dreigestirn den Markt, blickt auf Tausende begeisterter Narren und schmeißt Kamelle, was die Arme hergeben. Das ist der Moment, auf den Prinz Thomas I, Bauer Stefan und Jungfrau Jörgine seit Monaten hingearbeitet haben. Doch bei aller Euphorie, zum Dauernarren möchte die erste Jungfrau der Bergstadt nicht werden. „Das ist wie mit der Ehe“, sagt Jörgine „man heiratet schließlich auch nur einmal.“
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