Radevormwald: Was, wenn nichts mehr geht?
VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 22.09.2007Radevormwald (RPO). Ständige Müdigkeit, völlige Erschöpfung, das Gefühl, mit allen Aufgaben nicht mehr fertig zu werden, ausgebrannt zu sein: Das ist das Burnout-Syndrom. Die Unternehmer-Netzwerke RUN und HUI möchten über das Tabuthema gemeinsam informieren.
„Es ist ein ,Flasche-Leer’-Gefühl. Die Betroffenen fühlen sich nicht leistungsfähig, müde, nachdenklich und depressiv. Die Menschen sind geistig nicht mehr flexibel.“ So beschreibt Christian Kuhlmann, Chefarzt der Abteilung für Traditionelle Chinesische Medizin am Johanniter-Krankenhaus, das Phänomen, das „Burnout-Syndrom“ genannt wird. „Regelmäßig kommen Betroffene zu mir“, sagt er.
Manager besonders gefährdet
„Der charakteristische Patient ist der Managertyp. Viele berufliche Treffen, häufiges Essen gehen, Alkoholkonsum und mangelnde Erholung zehren am Menschen“, schildert der Arzt eine häufige Problemlage. „Viele Betroffene sind typische Choleriker – mit rotem Kopf und zitternden Händen.“
Burnout-Forum
Radevormwalder UnternehmerNetzwerk RUN und Hückeswagener Unternehmer-Initiative (HUI) informieren über „Burnout“.
Referieren werden Christian Kuhlmann, Chefarzt Johanniter-Krankenhaus, und Jochen Schauer, Unternehmensberater.
18. Oktober, ab 19. 30 Uhr, Feuer- und Rettungswache, Dietrich-Bonhoeffer-Straße.
Anmeldungen bis zum 10. Oktober per E-Mail
info@run-forum.de
Der Vortag der Netzwerke RUN und HUI soll Chefs für das Thema „Burnout“ sensibilisieren, damit sie eigene Probleme erkennen, aber auch die von Mitarbeitern. Die Grenze zwischen normaler Erschöpfung und echter Krankheit ist oft schwer zu ziehen. „Wenn man nach intensiver Arbeit ausgepowert ist, erholt man sich wieder. Wenn Sie aber chronisch müde sind, die Erschöpfung auch nach drei oder mehr Monaten nicht nachlässt, ist das auf jeden Fall ein Alarmsignal“, warnt Kuhlmann.
Doch gibt es Warnsignale vor dem Burnout-GAU? „Wer ausgebrannt ist, hat vorher mal gebrannt. Viele Menschen treiben über lange Zeit Raubbau mit sich und ihrer Familie. Die Frau geht aus dem Haus, die Kinder wollen das Unternehmen nicht übernehmen. Der Betroffene ist mit seinen Gefühlen überfordert. Seine Welt bricht zusammen“, erklärt Unternehmensberater Jochen Schauer. In seiner Praxis hatte er schon oft Kontakt mit Burnout-Opfern. „Es ist wie mit der geschäftlichen Unternehmensberatung: Viele holen sich erst Rat, wenn sie mit dem Rücken an der Wand stehen.“
Wie kann geholfen werden?
Wie Menschen, die nicht mehr am Steuer ihres eigenen Lebens stehen, geholfen werden kann, soll im Oktober vorgestellt werden. „Die Betroffenen müssen ihr Leben vollständig verändern, denn die Umstände, die zu den Problemen geführt haben, werden gleich bleiben. Allein die Einstellung muss sich ändern“, gibt Chefarzt Kuhlmann einen Ausblick auf den Vortrag.
Die Hilfsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Krankheit selbst. Christian Kuhlmann rät zu Heilmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin. „Viele gehen erst zum Hausarzt, bekommen Antidepressiva und wissen nachher oft nicht mehr, ob die Tablette oder sie selbst das Problem sind“, sagt Kuhlmann.
Auch vorbeugend kann dem Ausbrennen gegengesteuert werden: „Gutes Zeitmanagement bringt enorm viel. Auch bessere Kommunikation mit den Mitarbeitern oder eine veränderte Ernährung können das Risiko eines Burnout-Syndroms verringern“, glaubt Kuhlmann.
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