Radevormwald: Zu weite Wege zur Apotheke
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 - 13:57Radevormwald (RPO). Wer am Wochenende krank wird, zum Arzt muss und dringend auf wichtige Medikamente angewiesen ist, fährt bisweilen viele Kilometer. Der Seniorenbeirat diskutierte über dieses Versorgungsproblem.
Kritik gibt es am Apotheken-Notdienst in der Bergstadt, der zurzeit zusammen mit den Nachbargemeinden Hückeswagen und Wipperfürth organisiert wird. Je nachdem, welche Apotheke Notdienst hat, müssen nicht nur ältere Menschen vor allem an Wochenenden und abends oft lange Wege in Kauf nehmen, um an wichtige Medikamente zu gelangen. Mehrmals wurden Mitglieder des Seniorenbeirates auf das Versorgungsproblem hingewiesen.
Wunsch vieler Bürger ist es, den Notdienst ohne Hückeswagen und Wipperfürth zu organisieren. Doch das ist nicht möglich, sagte Apothekerin Cathrin Schmitz von der Löwen-Apotheke am Donnerstag in der Sitzung des Beirates. „Früher gab es sechs Apotheken in Rade, die sich den Notdienst teilten - inklusive 24-Stunden-Bereitschaft von Montag bis Freitag. Als die Hirsch-Apotheke geschlossen wurde, war diese Regelung mit Notdienst alle fünf Tage finanziell nicht mehr zu stemmen“, sagte sie. Also gab’s die Lösung der Kooperation mit Hückeswagen und Wipperfürth.
Schon im Oktober eines jeden Jahres werden die Dienstpläne der Apotheken für das gesamte nächste Jahr erstellt. „Da die Ärzte ihre Planung nicht auf unsere abstimmen müssen, passiert es, dass ein Arzt in Wipperfürth und eine Apotheke in Rade Sonntagsdienst hat“, erläuterte Cathrin Schmitz. Natürlich bestünde der Wunsch darin, sich besser abzusprechen. Das gestalte sich aber schwierig. Von der Apothekerkammer gebe es lediglich den Hinweis, dass im Notfall 35 Kilometer zur nächsten Apotheke zumutbar seien.
Schmitz verwies darauf, dass in Rade während der Woche eine Apotheke bis 20 Uhr geöffnet hat, falls keine der hiesigen Apotheken Notdienst hat. „Aber die Resonanz ist gering. Es ist fraglich, wie lange sich dieser Service noch trägt“, sagte sie.
Manfred Seiferth („aktiv55plus“) meinte, dass es eine Verpflichtung zur Versorgung geben müsse. „Das muss anders koordiniert werden, so kann es nicht weiter gehen“, sagte er. Selbst wenn sich die mittlerweile wieder sechs Apotheken zusammenschließen würden, um den Notdienst alleine zu organisieren, stieße dies auf Ablehnung bei den übergeordneten Stellen. „Kreisgesundheitsamt und Apothekerkammer haben das abgelehnt, weil es nicht zumutbar sei und vor allem der Sonntag als verkaufsoffener Sonntag zähle, auch wenn wir nur zwei Stunden Notdienst haben“, sagte Cathrin Schmitz. Der Wille bei den Apothekern sei vorhanden, den Service zu verbessern. Sie schlug vor, das Gespräch mit den Ärzten zu suchen, damit sich Apotheken und Mediziner künftig besser absprechen und möglichst lange Wege für Patienten vermeiden.
Der Erste Beigeordnete Rainer Meskendahl kündigte an, mit dem Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Jorg Nürmberger, über das Problem zu sprechen.
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