Remscheid: Ärger um Signale für Blinde
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 18.04.2009Remscheid (RPO). Anwohner beschweren sich über die akustischen Signale an einigen Fußgängerüberwegen. Vor allem abends und nachts seien diese zu laut. Die Stadt sucht jetzt nach Kompromisslösungen.
Im Remscheider Stadtgebiet werden zurzeit alle 80 Ampeln auf ihren technischen Stand hin kontrolliert. Grund sind Beschwerden von Anwohnern über die enorme Geräuschbelastung durch Zusatzgeräte für Blinde und Sehbehinderte. Problem ist die Lautstärke der akustischen Signale, vor allem spät abends und nachts – z.B. an den Anlagen Hochstraße/Schützenstraße, Alleestraße/Hochstraße sowie Kölner Straße/Poststraße.
Das Orientierungssignal wird in Remscheid in Abhängigkeit von der Umgebungslautstärke geschaltet. Das ist allerdings nur bei neueren Zusatzgeräten, nicht aber bei den vor 2004 installierten Vormodellen, möglich. Deshalb plant die Stadtverwaltung, künftig auf akustische Orientierungssignale zu verzichten. Denn Bodenindikatoren zum Auffinden des Übergangs und des Ampelmastes seien vorhanden, heißt es in einer Vorlage, die dem Behindertenbeirat in jüngster Sitzung vorlag.
Signalarten
In Remscheid gibt es je nach Ausstattung drei Signal-Arten:
1. Orientierungssignale, die ständig und in einem Umkreis von 4,5 Metern zu hören sein müssen, geben einen akustischen Hinweis, um den Übergang zu finden.
2. Die Grünphase wird über einen Druckschalter in Form eines Pfeils auf der Unterseite der Geräte angefordert. So wird das akustische Freigabesignal erzeugt.
3. Außerdem gibt es taktile Signalgeber (z.B. Vibratoren), um die Grünzeit anzukündigen.
"Es geht uns nicht nur um die Geräte, sondern um die grundsätzliche Ausstattung der Signalanlagen", erklärt Hans-Otto Heming vom Amt für Straßen und Brückenbau, im Gespräch mit der BM. Auf jeden Fall müssten einige Ampeln nachgerüstet werden. Denn akustische Signale ließen sich über Nacht nur dann abschalten, wenn taktile Signalgeber, also z.B. Vibrationsflächen, vorhanden sind. "Es müssen immer zwei Sinne angesprochen werden", erklärt Heming. "Sie können sich an die Ampel ranfühlen, betätigen eine Signalfläche und hören dann, wenn die Ampel auf Grün springt." Tagsüber seien die Signale ständig zu hören, was kaum jemanden störe.
"Die Blinden aber sagen, die Anlagen müssten rund um die Uhr laufen. Hier wollen wir von der Verwaltung einen Ausgleich der Interessen schaffen, um auch die Bedürfnisse der Anwohner zu berücksichtigen", sagt Heming. Das Abschalten einer Ampelanlage z.B. vor einer Lebenshilfe-Werkstatt käme natürlich nicht in Frage. Er wolle Fingerspitzengefühl walten lassen.
Derzeit läuft eine groß angelegte Bestandsaufnahme aller Ampeln. "Wir wollen für einzelne Knotenpunkte individuelle Lösungen finden, denn im Stadtgebiet sind noch nicht alle Ampeln mit taktilen Signalgebern ausgestattet", erklärt Heming. An der Bliedinghauser Straße/Burger Straße würden diese Elemente erst in Kürze eingebaut.
Natürlich werde das Projekt enorme Kosten verursachen. Man wolle die Ampeln deshalb sukzessive abarbeiten und die finanziellen Mittel aus verschiedenen Töpfen schöpfen. In enger Abstimmung mit Verkehrsingenieur Udo Wilde stehe die Nachrüstung jetzt an erster Stelle. "Erst dann stellt sich die Frage der Abschaltung, die wir zunächst mit den Fraktionen besprechen, um uns auf eine Marschrichtung zu einigen", kündigt Heming an.
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