Remscheid: Alleestraße – keiner entscheidet
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012Remscheid (RP). Ein Brief von Regierungspräsidentin Anne Lütkes sorgt beim Marketingrat für Verwirrung. Fünf Ministerien werden mit der Frage befasst, ob die untere Alleestraße geöffnet werden darf. Düsseldorf fürchtet Präzedenzfall.
Regierungspräsidentin Anne Lütkes zögert die Entscheidung zur Öffnung der unteren Alleestraße hinaus. So interpretieren die Mitglieder des Marketingrats Innenstadt ein Schreiben Lütkes', das der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) an den Vorsitzenden des Gremiums, Ralf Wieber, zur Kenntnis gegeben hat.
Bei der turnusmäßigen Sitzung des Marketingrats stellte er gestern Vormittag die Inhalte aus dem Brief vor und legte seine Einschätzung dazu dar: "Mir erscheint das so, als ob die Regierungspräsidentin ihren Entschluss getroffen hat, sich aber alleine nicht traut, ihn zu verkünden", mutmaßte Wieber. Er hat das Schreiben nach eigenen Angaben mehrfach lesen müssen, um die verklausulierten Formulierungen überhaupt zu verstehen.
Sechs Monate Probezeit
Test Von Oktober 2010 bis März 2011 erfolgte die Öffnung für den Fahrzeugverkehr probeweise. Begleitet wurde der Versuch von der Bergischen Universität.
Parkplätze Knapp 40 Kurzzeitparkplätze wurden eingerichtet.
Umwandlung Für die Öffnung müsste der Bebauungsplan geändert werden.
Wie berichtet hat der Remscheider Stadtrat beschlossen, die Öffnung für den Fahrzeugverkehr umzusetzen. Unter einer Voraussetzung: Der Stadt dürfen keine Kosten entstehen. Somit müsste das Land darauf verzichten, die für die Umwandlung der Alleestraße in eine Fußgängerzone geflossenen Fördermittel zurückzufordern.
Keine Begehrlichkeiten wecken
Anne Lütkes habe nun fünf Ministerien um ihre Einschätzung der Dinge gebeten, erklärte Ralf Wieber. Dies sehe ganz danach aus, als ob die Regierungspräsidentin sich selbst vorstellen könne, auf die Gelder zu verzichten und gleichzeitig Befürchtungen hege, Begehrlichkeiten bei anderen Städten zu wecken. "Es gibt wohl die Sorge, dass andere Kommunen auf die gleiche Idee wie Remscheid kommen", glaubt auch Andreas Meike vom Stadtmarketing. Die Öffnung der unteren Alleestraße brennt den Händlern indes unter den Nägeln. Sie versprechen sich davon spürbar mehr Publikumsverkehr und auch Kundenfrequenz. Das haben Untersuchungen ergeben.
"Für mich ist das ein immens wichtiges Thema. Ich kann daher überhaupt nicht akzeptieren, dass es so lange dauert, bis die Frage zu den Zuschüssen geklärt ist", kritisierte Harro Schmidt, Inhaber des Schreibwarenladens Gottlieb Schmidt. Er appellierte an die Remscheider Politik und an die Verwaltung, mit Vehemenz auf eine Entscheidung zu drängen. "Wenn das noch Jahre dauert, gibt es mein Geschäft vielleicht nicht mehr", zeichnete er ein düsteres Bild.
Marketingratsvorsitzender Ralf Wieber will noch einmal mit den Wirtschaftsjunioren sprechen, die sich ebenso für eine Umgestaltung der unteren Alleestraße aussprechen.
Die Bergische Morgenpost lohnt sich Tag für Tag - jetzt testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



