Remscheid: Ampel grenzt Ratsherrn aus
VON HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 14.01.2011 - 21:00Remscheid (RPO). Die Ratsmehrheit aus SPD, FDP und Grünen distanziert sich von den kritischen Aussagen des FDP-Ratsherren Michael Kleinbongartz über die Arbeit der Wirtschaftsförderung. Der sieht sich mit seiner Kritik nicht alleine.
Der für 2012 anstehende Umzug der Remscheider Firma Kukko mit insgesamt 100 Mitarbeitern nach Hilden sorgt für Spannungen in der Ampel-Mehrheit im Rat. In einer Pressemitteilung gingen SPD, FDP und Grüne gestern auf Distanz zu Kukko-Geschäftsführer Michael Kleinbongartz.
Kleinbongartz, der für die FDP im Rat sitzt, hatte in dieser Woche neben wirtschaftlichen und strategischen Vorteilen in Hilden auch die zögerliche Arbeit der Remscheider Wirtschaftsförderung als ein Argument für seine Firmenverlagerung genannt. So wie ihm gehe es vielen Unternehmern in Remscheid.
Damit scheint er seinen Ratskollegen zu weit gegangen zu sein. In der Pressemitteilung drücken SPD, FDP und Grüne zunächst ihr Bedauern über die Betriebsverlagerung aus. Man "respektiere die unternehmerische Entscheidung", heißt es. "Die Stadt Remscheid kann eine Fläche mit vergleichbaren wirtschaftlichen Vorteilen derzeit nicht anbieten", räumt die Ampel ein – und widerspricht damit der Aussagen von Wirtschaftsförderer Hans-Gerd Sonnenschein Der hatte am Dienstag vor Politikern gesagt, Remscheid hätte Kukko sehr wohl gleichwertige Gewerbeflächen anbieten können.
Andere Sichtweise auf die Stadt
Dann aber kommt der öffentliche Tadel für Kleinbongartz: "Die Aussagen, die seitens der Geschäftsführung von Kleinbongartz und Kaiser oHG über den Standort Remscheid gemacht wurden, werden von den Fraktionen der Gestaltungsmehrheit nicht geteilt", heißt es. "Die Fraktionen haben eine andere Sichtweise auf die Stadt Remscheid. Wir wollen die Stärken Remscheids nach innen und außen betonen und in Remscheid den Willen zur Gemeinsamkeit stärken." Ziel sei es, "die Wirtschaftsförderung zu optimieren und wettbewerbsfähiger aufzustellen". Dies sei angesichts "knapper Ressourcen" eine schwere Aufgabe.
Kleinbongartz war über die Pressemitteilung seiner Parteifreunde und Mitstreiter nicht informiert, sagte er gestern auf BM-Anfrage. Dem Wunsch der Ampel-Verantwortlichen, gemeinsam mit der Stadt eine versöhnliche Pressemitteilung aufzusetzen, war die Firma Kukko zuvor nicht nachgekommen.
Kleinbongartz sieht sich mit seiner Kritik an der Arbeit der Wirtschaftsförderung nicht allein _ als Unternehmer und als Politiker. Auf einem FDP-Parteitag im vergangenen Jahr habe sich Fraktionschef Wolf Lüttinger ebenfalls kritisch über die Arbeit der Wirtschaftsförderung geäußert, sagte er.
Ob er sein Ratsmandat unter diesen Umständen behalten wird, ließ Kleinbongartz gestern offen. Er will die weiteren Entwicklungen vor allem in seiner eigenen Fraktion erst einmal beobachten.
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