Remscheid: Angeklagter war Dauergast im Gefängnis
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 10.01.2007Remscheid (RPO). Noch hat sich Louis. R., der am 7. November 2005 die Sparkassenfiliale am Handweiser überfallen haben soll, zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen nicht geäußert.
Auch am dritten Verhandlungstag vor der fünften großen Strafkammer des Wuppertaler Landgerichts schwieg gestern der Angeklagte, der zum Prozessauftakt seine Unschuld beteuert hatte, beharrlich.
Doch sein Vorstrafenregister, das gestern Vormittag zur Sprache kam, offenbart eine lange, kriminelle Vergangenheit. Mit großen Augen verfolgte der 53-Jährige, was die Kammer in der Zwischenzeit so alles über ihn herausgefunden hatte. Zum einen hat er nachweislich immer wieder beim Glücksspiel hohe Summen gewonnen und wieder verloren. Zum anderen wurde der seit 15 Jahren in Remscheid lebende R. in seinem Heimatland Frankreich als Täter von 23 bewaffneten Raubüberfällen identifiziert. Unter anderem soll er auf den Überfall auf das Casino in Évian am Genfer See beteiligt gewesen sein, bei dem Millionen erbeutet wurden. 14 mal wurde er zu teilweise langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Drei mal versuchte er sich durch teils spektakuläre Fluchtversuche der Haft zu entziehen. Ein Grund dafür, warum der Anstaltsleiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wuppertal, wo der Tatverdächtige einsitzt, ihn nicht mehr in der Anstaltsbücherei arbeiten lässt. Als „hafterfahren und entschlossen“ wird der so höflich wirkende Mann von der JVA-Leitung geschildert.
Zum Überfall auf die Sparkassenfiliale wurde eine weitere Zeugin befragt, die zum Zeitpunkt der Tat am Automaten Kontoauszüge zog. Plötzlich habe sie gehört, wie jemand „schnell, schnell, schnell“ rief. Als sie sich umdrehte, sah sie, wie sich eine wohl männliche Person in einer orangefarbenen Jacke mit einer Waffe in der Hand über den Kassenschalter lehnte.
Erneut kam gestern die Größe des Bankräubers zur Sprache. Entgegen der Erinnerungen anderer Zeugen, die ihn als unter 1,70 Meter groß schätzten, meinte die jetzt vernommene Zeugin, dass er dieses Maß durchaus ein wenig überschritten haben könne. Der Angeklagte ist 1,74 Meter groß.
Am 30. Januar wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen, die der Düsseldorfer Verteidiger Peter Endemann zur Entlastung seines Mandanten hören möchte, vernommen werden.
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