Remscheid: Auf Tuchfühlung mit 007
VON BERND GEISLER - zuletzt aktualisiert: 20.05.2008 - 11:11Remscheid (RPO). Marie-Jeanne Widera aus Remscheid und Andreas Mattern aus Radevormwald sind Statisten beim neuesten James-Bond-Film. Marie-Jeanne erzählt vom aufregenden Dreh in Bregenz und von Daniel Craig.
„Blankets off! Camera rollin‘ and … Action! ... Cut!” Diese Kommandos bei einem Filmdreh (“Decken weg! Kamera kommt! Los geht‘s! Schnitt!“) werden Marie-Jeanne Widera aus Remscheid noch lange in den Ohren klingeln. Die 21-Jährige spielt als eine von rund 1500 Statisten im neuen James-Bond-Film „Quantum of Solance“ mit. Der deutsche Titel des Films ist noch unbekannt, sein Starttermin in Deutschland nicht: Ab 6. November kommt er offiziell in unsere Kinos.
Als eine der ersten wird Marie unter den Zuschauern sitzen und den Szenen entgegenfiebern, in denen sie mitgewirkt hat. „Ich hoffe natürlich nicht“, sagt sie, „dass die Sequenzen mit mir herausgeschnitten worden sind.“ Sie weiß, dass mindestens einmal eine Nahaufnahme von ihr gedreht worden ist: „Ich saß neben dem Bösewicht des Films“, freut sie sich. „Und ich bin auch vor einem Greenscreen gefilmt worden.“ In diesen Szenen wird später der richtige Hintergrund per Computer eingesetzt.
7000 Leute beim Casting
Gefilmt wurde in Bregenz in Österreich. „Es war eine ganz spontane Entscheidung“, sagt Mutter Ursula Widera. „Ich habe im Radio die Meldung gehört, dass für den neuen James-Bond-Film ein Casting in Bregenz durchgeführt wird. Sie suchten jede Menge Statisten.“ Zusammen mit James-Bond-Hardcore-Fan Andreas Mattern aus Radevormwald, dem „besten Freund“ der Familie, fuhren Mutter und Tochter spontan nach Bregenz. Marie und Andreas wollten sich casten lassen. „Das Casting war für drei Tage im Januar angesetzt“, erzählt Marie begeistert.
Sie erinnert sich an jedes noch so kleine Detail, und ihre Wangen beginnen zu glühen. „Wir mussten in festlicher Abendgarderobe – langes Kleid oder dunkler Anzug –erscheinen.“ Insgesamt standen an den drei Tagen schätzungsweise zwischen 5000 und 7000 Leute in der Schlange vor dem Casting-Areal. Es hieß, am 1. April werden die Bewerber informiert, ob sie beim Dreh dabei sind oder nicht. Doch am 1. April blieb das Telefon stumm.
Die Wartezeit danach erwies sich als Achterbahn-Fahrt für die Nerven. Zunächst wurde Marie lediglich gefragt, ob sie auch ein schwarzes Kleid sowie eine Unterkunft habe. „Ich habe einfach ja gesagt“, hatte sie geantwortet. Schließlich bekam sie am 16. April die erlösende Nachricht, sie sei dabei. Neun Tage später fand die Kostümprobe statt. Also kaufte sie sich ein „langes schwarzes Kleid mit Taft, Tüll und Korsage“. Kleid und Marie kamen beim Kostümchef der Filmcrew gut an. Sie sollte sich vom 28. April bis 10. Mai für den Dreh bereithalten. Tagesgage pro Drehtag: 60 Euro.
Ein einmaliges Erlebnis
Auch Andreas Mattern bekam die Zusage. Beide erhielten schließlich am 30. April einen Brief mit der schriftlichen Bestätigung und einen Berechtigungsausweis mit Passfoto. Am 5. und 7. Mai wurde schließlich von 18 Uhr bis sechs Uhr gedreht. Die Statisten – darunter Marie und Andreas – bildeten die Zuschauerkulisse für die Aufführung der Oper „Tosca“ auf der Bregenzer Festspielbühne. „Es war bitter kalt auf den Stühlen der Freilichtbühne“, erinnert sich Marie.
„Deswegen haben wir die Decken bekommen. Auch das Catering war sehr gut, dazu immer heißen Tee und Kaffee.“ Die Crew habe sich große Mühe gegeben. Einmal habe sogar Regisseur Marc Forster für sie Kaffee holen lassen. „Und ich habe 007-Daniel Craig hautnah gesehen. Außerdem die Opernstars Sebastian Soules und Karine Babajanyan, die auch im Film mitwirken.“ Ob sie denn nach dem aufregenden Dreh Lust verspüre, das nächste Bond-Girl zu werden? Die Studentin der Germanistik und Romanistik winkt lächelnd ab. „Nein, das nicht, es war ein einmaliges Erlebnis!“
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