Remscheid: Aufruhr um Zwergschulen
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 15.08.2007Remscheid (RPO). Eltern reagieren verunsichert auf die angekündigte Schließung von Grundschulen. Ein Schulleiter befürchtet, dass sich dies auf die Anmeldungen an betroffenen Schulen auswirkt.
Ein Kampf um Zwergschulen bahnt sich an. Die Ankündigung aus dem Rathaus, dass kleine Grundschulen in einigen Jahren geschlossen werden, hat für reichlich Unruhe gesorgt. Nach BM-Informationen wollen Mütter und Väter für den Fortbestand kämpfen – durch Unterschriftensammlung und in Gesprächen mit Politikern.
Jürgen Gottmann, Rektor der Grundschule Goldenberg, musste immer wieder Eltern beruhigen, dass keine Schule von heute auf morgen dicht gemacht wird und die Kinder dann auf andere Schulen „verteilt werden“. Solche Gerüchte könnten manche Eltern bewegen, das Kind woanders anzumelden, befürchtet er. Auch Eltern, die ihre Kinder zur Grundschule Struck schicken, zeigten sich nach BM-Informationen sehr besorgt.
Schulverbund
Der Schulentwicklungsplaner empfiehlt, mittelfristig die einzügigen Schulen Struck, Goldenberg sowie Daniel-Schürmann zu schließen.
Übergangsweise könnten sie mit benachbarten Grundschulen zu einem Verbund zusammengeführt werden. Sie bilden dabei unter einer Leitung eine organisatorische Einheit.
„Alle angemeldeten Kinder können auf den Schulen bleiben. Im schlimmsten Fall nehmen sie irgendwann keine Kinder mehr auf“, betonte Gottmann. Doch ob es so weit kommt, sei noch völlig offen – zumal beide Schulen einen sehr guten Zulauf haben. Am Prinzip der wohnortnahen Beschulung solle man festhalten, forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
Eckpunktepapier ist der Auslöser
Auslöser des Aufruhrs sind Vorschläge in dem Eckpunktepapier zum Schulentwicklungsplan, das der Presse vergangene Woche vorgestellt wurde. Darin rechnet der beauftragte Fachmann, Dr. Detlef Garbe, vor, dass es bald fünf zweizügige Grundschulen (mit je zwei Parallelklassen) zu viel in Remscheid geben wird. Grund ist ein dramatischer Rückgang an Schülerzahlen.
Ob dieser ausgerechnet die beliebten Grundschulen trifft, stellt Gottmann in Frage. Mit Öffnung der Schulbezirksgrenzen bestehe freie Schulwahl. Struck hat in der Vergangenheit mit Angeboten wie Hochbegabtenförderung, Französisch AG, Gesundheitsförderung mit Paten-Arzt und AOK gepunktet. Mit zahlreichen Anmeldungen aufgrund des guten Rufes, den die Schule genießt, rechnet Corinna Otto, Schulpflegschaftsvorsitzende in Struck. „Aber alles steht und fällt mit der Nachmittagsbetreuung.“
Ähnlich beliebt ist Goldenberg mit ihrem Angebot in Montessori-Pädagogik. „Wir haben jetzt schon Voranmeldungen fürs neue Schuljahr“, stellte Gottmann fest, der einen Schulverbund nicht ablehnt. „Wir haben nun die Chance, endlich die Raumvorschriften zu erfüllen“, erinnerte der Rektor an die sich langsam zurück entwickelnde Enge in den Gebäuden. Pro Zug solle ein Mehrzweckraum zur Verfügung stehen. „Davon sind die meisten Grundschulen weit entfernt.“
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