Remscheid: Aufschwung am Auto-Markt
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 21.08.2010Remscheid (RPO). Ein zweistelliges Umsatzwachstum meldet die bergische Industrie- und Handelskammer für den Fahrzeugbau. Düstere Prognosen haben sich damit nicht bewahrheitet: Auch nach der Abwrackprämie werden Autos gekauft.
Die Zahlen
Gewinner Viele Industriezweige haben im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Der Fahrzeugbau führt die Liste der Gewinner an (45,9 Prozent), es folgen die Kunststoffindustrie (28,7 Prozent), die Chemieindustrie (22,3 Prozent) und die Elektroindustrie (elf Prozent).
Verlierer Die in Remscheid so wichtige Metallerzeugung hat allerdings im gleichen Zeitraum um 14,6 Prozent verloren.
Mit guten Neuigkeiten wartet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Wuppertal-Solingen-Remscheid auf: Der im Bergischen Land so wichtige Fahrzeugbau hat im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45,9 Prozent zugelegt. Das ist – zumal nach der Wirtschaftskrise – ein außerordentlich hoher Wert, der zurzeit von keinem anderen Industriezweig erreicht wird.
Allerdings, so schränkt IHK-Sprecher Thomas Wängler ein, baue der Zuwachs auf einem sehr niedrigen Niveau auf, da der Fahrzeugbau von der Krise besonders stark betroffen war. Dennoch: Prognosen, denen zufolge nach Auslaufen der Abwrackprämie eine anhaltende Absatzschwäche auf dem Automobilmarkt vorausgesagt wurde, scheinen nicht einzutreffen. Das bestätigen Industrie und Handel.
Starke Impulse aus China
"Wir haben im Vergleich zum Jahr 2009 ein deutliches Wachstum", sagt Christina Clemens, Sprecherin des Remscheider Automobilzulieferers Edscha. Starke Impulse kämen aus China und Osteuropa. Die Folge sei, dass die Produktion in beiden bayerischen Werken wieder unter Vollauslastung laufe. Außerdem seien Stellen ausgeschrieben. "Das ist zwar noch kein Wachstum, aber wir stellen wieder Mitarbeiter ein."
Eine positive Stimmung herrscht auch beim Hazet-Werk. Das Unternehmen stellt Werkzeug vor allem für die Automobilindustrie, deren Zulieferer und Werkstätten her. "Wir sind fast wieder auf dem Niveau von 2007", sagt Carsten Scholz, Leiter Marketing und Werbung bei Hazet. Die Auftragslage habe sich derart verbessert, dass bei Hazet schon im April die Kurzarbeit beendet werden konnte. Gestützt werde der Aufschwung vor allem vom Binnenmarkt, während der Export "noch besser sein könnte", sagt Scholz.
Auch im Autohandel ist die Stimmung gut. Das Geschäft "zieht merklich an", heißt es von der Autohaus Bergland GmbH. Die Absatzzahlen des Jahres 2008 würden voraussichtlich übertroffen. Und auch Udo Schmitz, verantwortlich für Verkauf und Marketing beim VW-Autohaus Pflüger & Osterhage, gibt sich zuversichtlich: "Die Leute kommen rein und suchen wirklich nach einem Auto. Im Frühjahr wollten noch viele nur gucken", sagt er.
Beteiligte sind überrascht
Vom Zeitpunkt des Aufschwungs zeigen sich die Beteiligten allerdings überrascht. "Die Industrie hat im vergangenen Jahr fast nichts gemacht, kein Sonderprojekt, gar nichts", erinnert sich Hazet-Mitarbeiter Scholz. "Und auf einmal geht's los." Woran das liegt? "Das weiß keiner", sagt Scholz und lacht. Hauptsache, es geht aufwärts.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



