Remscheid: Bäche werden frei gebaggert
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 10.08.2007Remscheid (RPO). Noch kein Ende der Unwetterfolgen: Im Diepmannsbachtal pumpte die Feuerwehr wieder den Keller des SGV-Gebäudes leer. Der Wupperverband baggerte verschlammte und verstopfte Bachbetten aus.
Carlo Hagen ist verzweifelt. Gestern war der Keller des Hauses, das er für die Wuppertaler Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) verwaltet, wieder voll gelaufen. „Das Wasser stand 50 Zentimeter hoch“, meinte er. Gerade erst habe die Feuerwehr alles leer gepumpt, habe er die Räume saubergemacht, da rollte die nächste Flutwelle an. „Der Bach ist verstopft, da kommt jede Menge Schlamm runter. Ganze Felsbrocken wurden angeschwemmt“, ärgert sich der Verwalter. Der Bach, der das Oberflächenwasser aus dem Industriegebiet aufnimmt, fließt direkt an dem bergischen Haus vorbei, das der Wuppertaler SGV 1969 erwarb.
THW verteilt Sandsäcke
Das Technische Hilfswerk verteilt heute und morgen, jeweils 10 bis 11 Uhr sowie 16 bis 17 Uhr, Auf dem Knapp 21, Sandsäcke in haushaltsüblichen Mengen an Bürger, die vom Hochwasser betroffen sind. Die Abgabe ist gratis, Spenden werden dankend entgegen genommen. Sand und Verschlüsse müssen selbst gekauft werden.
Karl-Heinz Göhring, stellvertretender Vorsitzender, schaute sich die Wasserschäden an. „Ich bin total ratlos“, meinte er angesichts der Kosten, die auf den Verein zukommen: Schlammbeseitigung, Containerdienste, Mauerwerk trockenlegen. Weil Unwetterfolgen unter die Kategorie „höhere Gewalt“ fallen, zahle die Versicherung nicht. Aufgeben wolle man das Gebäude nicht. Zu viele Erinnerungen hängen an ihm. Es sei Wanderziel der 650 Mitglieder und Kommunikationsstätte. Die Vermietung des Hauses an Gruppen sei aber nur eine kleine Einnahmequelle.
Der Wupperverband reagierte sofort: Schlamm und Geröll wurden aus dem Bachbett gebaggert und als Damm aufgeschüttet. „Der Bach ist sonst ein Meter tief, jetzt ist er pari“, sagte Markus Kaster. Der Vorarbeiter in der Abteilung Gewässerunterhaltung beim Wupperverband leitete die Aktion. Das Haus drohte vom Bach unterspült zu werden. „Da kam eine geballte Ladung runter“, meinte Kaster. In ungewöhnlich hohen Regenmengen, der Versiegelung großer Flächen im Jägerwald und in Spätfolgen von Kyrill sieht er die Ursachen. Auf kahlen Flächen werde der Boden mitgerissen und in den Bach gespült, abgeholzte Bäume wirkten wie Dämme.
Wie Susanne Fischer, Pressesprecherin beim Wupperverband, berichtete, wurden auch die Bachbetten des Müggen- und des Morsbach ausgebaggert. Weil Bürger bei der Feuerwehr ständig nach Sandsäcken fragten, der eigene Bestand aber den Einsätzen vorbehalten bleibt, hat Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan mit dem THW ein Hilfsangebot initiiert. THW-Ortsbeauftragter Wolf Reinemann und Brandmeister Markus Haug transportierten gestern 10 000 Sandsäcke nach Remscheid. Betroffene Bürger können sich jetzt Sandsäcke abholen. Auf Anregung von Eul-Jordan stellt sich auch der Baustoffhandel auf die Nachfrage ein.
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