Remscheid: Bäume als Barriere
VON HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2008Remscheid (RPO). Der Behinderten-Beirat möchte acht Bäume am Bahnhof Lüttringhausen fällen lassen, damit das Gleis von der Bushaltestelle aus für alle Zuggäste sicher erreichbar ist. Die Grünen sind dagegen und suchen nun Alternativen.
Viel Geld hat die Deutsche Bahn im letzten Jahr in die Modernisierung des Bahnhofs in Lüttringhausen investiert. Um beide Gleise barrierefrei auch für Rollstuhlfahrer, Reisende mit Koffer oder Mütter mit Kinderwagen erreichbar zu machen, wurden auf beiden Seiten Rampen zu den Gleisen errichtet. Zudem wurde Rillenplatten verlegt, die blinden Bürgern über ihren Stock den Weg zum Zug weisen.
Hat Remscheid also endlich seinen ersten barrierefreien Bahnhof? „Nein“, sagt Herbert Güthe, der Vorsitzende des Behindertenbeirates. Im Sozialausschuss der Stadt erklärte das SPD-Ratsmitglied, dass exakt acht Bäume dem behindertengerechten Status des Bahnhofs noch im Wege stünden.
Fachtagung geplant
Am 23. April treffen sich im Remscheider Rathaus über 50 Fachleute aus Wuppertal, Solingen und Remscheid, um bei einer Fachtagung der drei bergischen Behindertenbeiräte über „Barrierefreie Bahnhöfe – spezielle Orientierungs- und Leitsysteme“ zu diskutieren. Die Landesbehindertenbeauftragte Angelika Gemkow hat bereits zugesagt.
Würde man diese fällen, könnten alle Menschen von der Bushaltestelle am Bahnhof aus das Gleis in Richtung Wuppertal sicher erreichen. Ein Anschluss an das vorhandene Wegenetz wäre dann geschafft. Derzeit führt ein etwa fünfzig Meter langes Wegstück vom Bus zum Gleis über eine viel befahrene, stark vom Schwerlastverkehr genutzte Straße, die von der Bäumen zur Seite der Bahn begrenzt wird.
Bäume fällen für einen barrierefreien Bahnhof? So einfach ist die Sache für die Grünen nicht. Sie lehnen die Abholzung ab. Der schöne Baumbestand trage viel zum Flair des Bahnhofes bei, sagte Fraktionsgeschäftsführerin Jutta Velte der BM. Da ihre Fraktion aber die Interessen der Behinderten versteht, schlägt sie einen Kompromiss vor. „Wie wäre es, wenn sich Fußgänger und Autos die Straße teilen?“ Mit entsprechenden Markierungen auf der Straße und einem Gebot zum Schritt-Tempo-Fahren könne man allen gerecht werden, ohne dafür die Bäume abzusägen.
Eine Lösung, die dem städtischen Tiefbauamt unter Sicherheitsaspekten nicht behagt, wie Hans-Otto Heming auf BM-Anfrage sagte.
Auch eine Ausweich-Bucht auf der anderen Seite der Straße könne ein Kompromiss sein, sagt Velte. Man müsse bedenkten, dass es bei der Vielzahl der Bahnkunden nur wenige seien, für die sich das Problem des behindertengerechten Zugangs an diesem Punkt stelle.
Das aber sieht Güthe anders. „Wir haben in Remscheid 22 000 Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen“, sagte er der BM. Das sei kein Minderheitenproblem.
Der Behindertenbeirat möchte mit dem Bahnhof Lüttringhausen auch ein Zeichen in der Region setzen. Bislang nämlich, so sagte Edwin Behrens, der Behindertenbeauftrage der Stadt, im Sozialausschuss, gibt es im Städtedreieck keinen einzigen Bahnhof, der die gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien für barrierefreien Zugang komplett erfüllt. „Es wäre schön, wenn Remscheid hier ein Vorbild sein könnte“, sagt Güthe.
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