Remscheid: Bankraub Zentralpunkt – Indizienkette wird länger
zuletzt aktualisiert: 09.01.2007Remscheid (RPO). Ein unbeschriebenes Blatt scheint der Angeklagte, der sich seit der vergangenen Woche am Wuppertaler Landgericht wegen des Überfalls auf die Sparkassenfiliale Handweiser im November 2005 verantworten muss, ganz und gar nicht zu sein.
Wie die Vernehmung eines Remscheider Polizeibeamten beim gestrigen Prozesstag zutage brachte, ist Louis R. bereits in der Vergangenheit mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Und bei diesen Delikten handelt es sich offensichtlich nicht um Kleinigkeiten. So wurde er bereits vor knapp zwei Jahren wegen des versuchten Einbruchs in die Polizeidienststelle Handweiser verhaftet. Wobei er zunächst versuchte, sich gegen die Festnahme zu wehren.
Mit der Brechstange unterwegs
Im Zuge der Vernehmungen stellte sich dann heraus, dass der in Remscheid lebende Franzose mit einer Brechstange an der Wache gesehen wurde. Gegenüber den vernehmenden Beamten räumte er zudem ein, mit einem gestohlenen Fahrzeug unterwegs gewesen zu sein. Mit seinem eigenen hatte er beim Glücksspiel in Recklinghausen seine Spielschulden bezahlt. Und danach für die Rückfahrt nach Remscheid postwendend ein anderes Auto gestohlen.
Auch weitere Einbrüche – davon einer bei einer Firma in Lüttringhausen – werden dem Angeklagten zur Last gelegt. In seinen Aussagen sei R. aber immer wieder sehr widersprüchlich gewesen, berichtete der Zeuge. „Seine Geschichte hatte einige Haken. Er schien sie immer dem jeweiligen Ermittlungsstand anpassen zu wollen“, vermutete der Remscheider Polizist. Zum Tatbestand des Banküberfalls, der von dem Angeklagten bislang abgestritten wird, äußerte sich weiterhin eine Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes, die ein neuartiges Verfahren erläuterte, mit dem anhand der Videoaufzeichnungen die Körpergröße des mutmaßlichen Täters ermittelt wurde. Danach soll der Mann zwischen 1,72 und 1,76 Meter groß gewesen sein, was auf den Angeklagten zutreffen könnte.
Auf das Erscheinungsbild des Bankräubers konzentrierten sich auch die weiteren Vernehmungen. Fest steht, dass der Mann, der die Sparkassen-Kassiererin damals mit einer Waffe bedrohte und die Herausgabe von 17.000 Euro erzwang, eine orangefarbene Jacke wie sie bei der Müllabfuhr oder von Bauarbeitern genutzt wird, trug. Auch das Fluchtauto wurde von mehreren Zeugen als goldfarbener Opel-Vectra identifiziert. Das zuvor gestohlene Fahrzeug wurde kurz nach dem Überfall auf dem Parkdeck des Zentrums Süd an der Rosenhügelerstraße entdeckt. Heute wird der Prozess fortgesetzt.
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