Remscheid: „Müngstener“ wird ausgedünnt
VON SUSANNE GENATH UND HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 02.09.2006Remscheid (RPO). Für einige Bahn-Pendler wird der Weg zur Arbeit ab 2007 zehn Minuten länger dauern. Im Fahrplan der Regionalbahnstrecke 47 fallen vier Zugverbindungen weg.
Kürzungen
Rund 1,5 Millionen Zugkilometer fahren die Regionalbahnen auf der Strecke 47. Um 22 700 Zugkilometer wird die Strecke nun ab 2007 gekürzt.
Nach Auskunft des VRR sind in den gestrichenen Zugverbindungen jeweils höchsten 50 Personen mitgefahren.
Im Jahr 2007 fehlen dem Land NRW 87 Millionen Euro Bundeszuschuss für den Nahverkehr.
Weil der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) ab 2007 weniger Geld vom Bund erhält, muss er nach eigenen Angaben sein Angebot kürzen. Davon ist auch der „Müngstener“ betroffen. Künftig werden bei der Regionalbahnstrecke 47 (Ohligs – Wuppertal) vier Züge gestrichen: morgens die Verbindungen um 5.44 und 6.44 Uhr ab Remscheid-Lennep nach Solingen-Ohligs sowie nachmittags die Verbindungen um 16.53 und 17.53 Uhr von Ohligs nach Remscheid-Lennep.
Bloß eingeschoben
„Damit ist Remscheid von den Kürzungen beim Schienennahverkehr nur geringfügig betroffen“, sagt CDU-Ratsmitglied Kai Kaltwasser, der in der Verbandsversammlung des VRR sitzt. Bei den gestrichenen Verbindungen handele es sich um eingeschobene zusätzliche Zugverbindungen im Abstand von zehn Minuten zu den fahrplanmäßigen Zügen.
Reiner Nießen, selbständiger Verkehrsplaner aus Solingen, hält die Ausdünnung des „Müngsteners“ dagegen für völlig verfehlt. „Da baut die Stadt extra neue Haltepunkte mit dem Ziel, mehr Fahrgäste auf die Schiene zu holen, und dann werden Verbindungen gestrichen“, ärgert er sich. Er sieht insbesondere die gestrichenen Nachmittagsverbindungen für sehr wichtig an. „Die sind ja extra eingefügt worden, weil Umsteigern aus Köln und Düsseldorf sonst immer der Zug Richtung Mitte und Remscheid vor der Nase weggefahren war.“ Auch die Zukunft sieht nicht rosig aus. „Wenn Szenarien so eintreten, wie sie am Horizont auf uns zukommen, wird es in 2008 schon drastisch werden“, kündigt VRR-Sprecher Hans Oehl an. Ob auf den „Müngstener“ dann weitere Kürzungen zukommen, stehe noch nicht fest. Insgesamt hat der VRR auf elf Strecken den Fahrplan ausgedünnt. Düsseldorf und Städte des Ruhrgebiets seien viel stärker betroffen, sagt Kaltwasser.
Gegen die Streichung der zwei Zugpaare zwischen Lennep und Ohligs hat gestern der für Remscheid und Solingen zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Kucharczyk protestiert. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Region Bergisches Land langsam, aber unaufhaltsam vom Rest der Welt abgekoppelt wird“, schreibt Kucharczyk in einer Pressemitteilung. Wenn 2008 die nächste Kürzungsrunde beim VRR anstehe, führen die Züge womöglich nur noch morgens, mittags und abends. „Und in ein paar Jahren ist die Konsequenz, dass die Müngstener Brücke gesperrt wird, weil gar keine Züge mehr fahren.“
Der Bundestagsabgeordnete bezeichnet es als „schlichtweg falsch“, die Ausdünnung des „Müngsteners“ mit der Kürzung der vom Bund gezahlten Regionalisierungsmittel zu begründen. Diese Mittel seien nur als Anschubfinanzierung gedacht gewesen. Jetzt sei die NRW-Landesregierung gefragt, die Verkehrsbetriebe zu unterstützen, schreibt Kucharczyk. Beispielsweise aus den Mehrwertsteuer-Mehreinnahmen.
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