Remscheid: Bei Ausgrenzung eingreifen
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 22.11.2006Remscheid (RPO). Der Amoklauf des 18-jährigen Sebastian B. in Emsdetten erschüttert die Nation. In Remscheid wird seit einem Jahr an einem Katalog zur Abwehr solcher Gewaltgefahren für Schulen gearbeitet.
Hätte die fürchterliche Tat in Emsdetten verhindert werden können? Könnte es auch eine Remscheider Schule treffen? Diese Fragen rütteln viele Menschen auf. Die zuständigen Stellen beschäftigen sich bereits seit dem Amoklauf in Erfurt mit vorbeugenden Maßnahmen und der Frage nach dem Verhalten in solchen Extremsituationen.
So arbeiten Schulverwaltung, Schulaufsicht, Feuerwehr und Polizei seit einem Jahr an einer Gefahrenabwehrplanung, berichtet Werner Kaus vom Dezernat „Einsatzangelegenheiten“ im Polizeipräsidium Wuppertal. Darin fließen nicht nur Daten zur Erreichbarkeit beteiligter Stellen, sondern auch organisatorische Strukturen und Handlungsempfehlungen bei Gewaltübergriffen in Schulen ein – also Tipps, wie Lehrer die Kinder am besten schützen können. Die Polizei habe in den Gesprächen auch vorgestellt, wie die Polizei in „Amok-Trainings“ auf solche Extemsituationen vorbereitet wurde. Während früher die Spezialeinheiten gerufen wurden, griffen nunmehr die Beamten vor Ort rasch ein, so Kaus.
Vorbeugung
In der Ordnungspartnerschaft arbeiten Polizei, Schule, Justiz und Verwaltung Hand in Hand. Fälle von Verhaltensauffälligkeiten werden im Team besprochen.
Die Psychologische Beratungsstelle bietet Schulen Anti-Gewaltraining an. Viele Schulen haben Streitschlichter ausgebildet.
Die Stadt als Schulträger war in Zugzwang, nachdem die Bezirksregierung nach dem Erfurter Drama einen 50-seitigen Katalog an Empfehlungen an die Schulen leitete. Daraus werde nun ein kompakter Kriterienkatalog für die Praxis als Vorbereitung auf Gewaltszenarien erarbeitet, sagte Schuldezernent Henkelmann gegenüber der BM. Polizei, Schulaufsicht, Schulverwaltung, Feuerwehr, Psychologische Beratungsstellen und Gebäudemanagement seien beteiligt.
In Remscheid gebe es bisher keine Anzeichen von Gewaltdrohungen, weil im Vorfeld „blitzschnell reagiert wird“. Dies sei das Verdienst der Ordnungspartnerschaft. Henkelmann ist überzeugt, dass Warnsignale frühzeitig gedeutet werden.
Jürgen Gottmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Remscheid, sieht im Emsdettener Fall Ursachen, denen man mit Maßnahmen wie Videoüberwachung nicht begegnen kann. „Die Gefahr von Gewalt lässt sich eindämmen, wenn man Kinderrechte achtet“, betont der Schulleiter. Und Außenseiter und Schulversager zu respektieren, das müsse auch Kindern vermittelt werden. „Wir müssen bei Ausgrenzung eingreifen.“ Dass Schule oft Ziel von Gewalt ist, sei nachvollziehbar. „Der Lehrer ist Unterrichtbeamter, der Zensuren vergibt – und manchmal schlechte Abschlüsse.“ Daran könne sich Frust und Wut entzünden. KOMMENTAR
Die gesamte Berichterstattung zum Drama von Emsdetten unter
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