Remscheid: Biofeedback spricht sich herum
VON KRISTINA HELLWIG - zuletzt aktualisiert: 02.11.2007 - 17:01Remscheid (RPO). "Der Ansturm ist so groß, dass wir ihn nicht bewältigen können." Dr.Bernhard Ibach, Chefarzt der Kinderklinik am Sana-Klinikum Remscheid, ist stolz und unzufrieden zugleich: Immer mehr Patienten interessieren sich für die Biofeedback-Therapie nach Bernard Brucker, die in Remscheid als einzigem Therapiezentrum in Europa angeboten wird.
Wenn die Patienten aber zwei Jahre auf einen Therapieplatz warten müssen, kommen das weder ihnen noch der Methode entgegen, sagte Ibach gestern. Die gute Nachricht kommt daher aus Wermelskirchen. Dort eröffnet jetzt die erste Zweigstelle des Biofeedback-Zentrums - in der Praxis des Neurologen Dr.Harald Ruths.
Denn nicht nur die Patienten, auch die Ärzte aus der näheren und ferneren Umgebung sind auf die mit Erfolg praktizierte Methode aufmerksam geworden, sagt Ibach. Sie hilft vor allem Kindern, die während der Geburt Hirnschädigungen erlitten, und erwachsenen Patienten nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirntrauma.Während sich Ruths ausschließlich erwachsenen Patienten widmen wird, schaffe die Zweigstelle den Remscheidern ein bisschen mehr Luft, sich um die Kinder zu kümmern, sagte Ibach.
Seit Eröffnung des Therapiezentrums wurden in Remscheid auch viele Kinder aus Italien, Frankreich und Großbritannien behandelt. Bislang hatten sie für die Therapie den Weg zur Professor Brucker nach Miami antreten müssen.
Brucker ist zurzeit zur Visitation in Lennep - und übernimmt auch teilweise die Ausbildung der Mitarbeiter für die Zweigstelle in Wermelskirchen. Sie werden außerdem von Remscheider Ärzten und Physiotherapeuten angeleitet - die haben die Qualifikationen dafür in Miami erworben.
Die Biofeedback-Methode ist ein Baustein für die Behandlung eines Krankheitsbildes, die mit anderen Methoden, besonders der Physiotherapie, Hand in Hand gehen müsse, sagt Ibach. Das Problem für die Patienten: Sie müssen die Therapie aus ihrer eigenen Tasche zahlen. Deshalb ist es das Ziel der Remscheider, dass die Biofeedback-Therapie von den Krankenkassen anerkannt wird. Davor liegen viele Hürden, die erste große will Ibach nun mit Dr. Ulrich Sliwka, dem neuen Chefarzt für Neurologie am Sana-Klinikum, nehmen.
Sliwka wird eine wissenschaftliche Studie über die Wirksamkeit der Methode durchführen, zusammen mit den Uni-Kliniken Hamburg und Düsseldorf. Sie soll zeigen, wie Biofeedback kurz- und längerfristig auf die Muskeln der Patienten wirkt. In einem zweiten Schritt wird untersucht, wie sich Patenten entwickeln, die zusätzlich zur Physiotherapie noch Biofeedback erhalten. Schließlich soll mit kernspintomographischen Verfahren gezeigt werden, wie die Therapie Strukturen im Gehirn ändert. Finanziert werden soll die Studie aus Forschungs-Drittmitteln und über Stiftungen. Eine Assistenzärztin des Klinikums wird die Untersuchung mit ihrer Doktorarbeit begleiten.
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