Remscheid: Blinde kämpfen um Ampeln
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009Remscheid (RPO). Die Pläne der Stadt, die Zusatzgeräte an den Ampeln abends und nachts teils oder komplett abzuschalten, stößt auf Kritik. Der Behindertenbeirat hat einen Arbeitskreis gegründet, der nach Kompromissen sucht.
Der Behindertenbeirat hat einen Arbeitskreis gegründet, der zusammen mit Hans-Otto Heming vom Amt für Straßen und Brückenbau sowie Verkehrsingenieur Udo Wilde alle Ampeln in Remscheid kontrollieren soll.
Es geht um die akustischen Zusatzgeräte für Blinde und Sehbehinderte an Fußgängerüberwegen. Anwohner hatten sich über die enorme Lärmbelästigung beschwert. Hiervon betroffen waren vor allem die Ampelanlagen Hochstraße/Schützenstraße, Alleestraße/Hochstraße und Kölner Straße/Poststraße.
Daraufhin hatte die Stadt angekündigt, die Geräte vor allem nachts eventuell komplett oder teilweise abzuschalten. Kritik dafür gibt's jetzt vom Blinden- und Sehbehindertenverein in Nordrhein-Westfalen. "Die Absicht der Stadt steht im krassen Gegensatz zu den allgemein anerkannten und unumstrittenen Notwendigkeiten und Einsichten. Sie ist ein rückwärts gewandter Schritt in Bezug auf die Barrierefreiheit für blinde Mitbürger", schreibt Gerd Kozyk, Leiter der Fachgruppe Umwelt/Verkehr/Mobilität der Blinden- und Sehbehindertenverbände NRW, an den Behindertenbeirat.
80 Ampeln betroffen
Lautstärke Das Orientierungssignal wird in Remscheid in Abhängigkeit von der Umgebungslautstärke geschaltet. Das ist allerdings nur bei neueren Zusatzgeräten, nicht aber bei den vor 2004 installierten Modellen möglich.
Ampeln 80 Ampeln stehen im Remscheider Stadtgebiet.
Betroffene In der Werkzeugstadt leben zurzeit 184 Blinde, 63 hochgradig Sehbehinderte und 1213 stark sehbehinderte Menschen.
Das akustische Auffinde-Signal informiere den blinden Fußgänger nicht nur darüber, wo er zielsicher – ohne sein näheres Umfeld ertasten zu müssen – den Ampelmast auffindet, sondern auch darüber, dass er an diesem Ampelmast technische Installationen vorfindet, die ihm taktile und akustische Hinweise auf die Rot-Grün-Phase der Ampeln geben.
Außerdem würden sich die modernen Zusatzeinrichtungen dem Umfeldgeräuschpegel anpassen und könnten keine Belastung für Anwohner darstellen. "Zumal die Zusatzgeräte nur in einem Abstand von 4,5 Metern zu hören sein sollen", erklärt Kozyk. Er appelliert an die Stadtverwaltung, im Gespräch mit der örtlichen Interessenvertretung blinder- und sehbehinderter Menschen einen Konsens zu finden, der in einen Interessensausgleich mündet und keinesfalls zu Lasten dieser Personengruppe gehen dürfe.
Das hatte Heming im BM-Gespräch im April bereits angedeutet. Ihm geht es nicht um die Geräte, sondern die grundsätzliche Ausstattung aller Ampeln in Remscheid. Auf jeden Fall müssten einige Anlagen nachgerüstet werden, hatte er damals betont. Akustische Signale ließen sich nur dann abschalten, wenn taktile Signalgeber (wie zum Beispiel Vibrationsflächen) vorhanden sind.
Da viele Blinde fordern, dass die Anlagen 24 Stunden laufen müssen, sei ihm ein Ausgleich der Interessen wichtig. Heming: "Ich will Fingerspitzengefühl walten lassen."
Dazu dient die Bestandsaufnahme der Ampeln, an der der Behindertenbeirat maßgeblichen Anteil hat. "Das gibt keinen Alleingang der Stadt, wir begleiten sie", betonte Herbert Güthe, Vorsitzender des Behindertenbeirates. Regelmäßig soll es auch Berichte im Gremium über den aktuellen Stand geben.
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