Remscheid: Brand im Altenheim: Mordverdacht
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 25.07.2009 - 11:09Remscheid (RPO). Das Feuer in einem Remscheider Altenheim, bei dem eine 87-jährige Bewohnerin an ihren Brandverletzungen gestorben ist und eine 82-Jährige verletzt wurde, soll vorsätzlich gelegt worden sein. Die Polizei sucht den Täter auch im engsten Umfeld der beiden Frauen.
Mitten in der Nacht bricht im Zimmer eines Remscheider Alten- und Pflegeheims, in dem eine 87-Jährige und eine 82-Jährige in ihren Betten schlafen, ein Brand aus. Die Jüngere kann sich nur mit Mühe aus dem Raum retten, der älteren gelingt das nicht. Beide werden schwer verletzt. Die 87-Jährige erliegt wenig später im Krankenhaus ihren Verletzungen.
Das in der Nacht zum vergangenen Montag Geschehene ist an sich tragisch. Furchtbar ist, was nun die Ermittlungen der Polizei ergeben haben: Der Brand in dem Alten- und Pflegeheim ist vorsätzlich gelegt worden. Die Betten der Frauen wurden angezündet. Das teilten Polizei und Staatsanwalt gestern mit.
Ermittelt wird nun wegen Mordes. Die Polizei hat eine zehnköpfige Sonderkommission gebildet. Wie der Wuppertaler Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt berichtet, sucht sie „im engsten Umfeld“ nach dem Täter. Das schließe Verwandte und Besucher ebenso ein wie das Personal des Altenheimes. Insbesondere was das Motiv betreffen, gebe es konkrete Hinweise. Die Fahnder grenzten derzeit den Personenkreis ein, auf den diese Motive zutreffen können.
Am vergangenen Sonntag war die Feuerwehr gegen 2.30 Uhr zu dem Brand in das Heim gerufen worden. Die jüngere der beiden Frauen hatte sich selbst aus ihrem brennenden Bett befreien können und war schreiend auf den Flur gelaufen. Die 87-Jährige war hingegen durch Alter und Krankheit in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. „Sie hätte sich nicht wehren oder die die Decke wegstrampeln können“, sagt der ermittelnde Staatsanwalt, Heribert Kaune-Gebhardt. Die Frau starb in einem Krankenhaus.
Auch ihre 82-Jährige Zimmergenossin wurde mit Brandverletzungen in eine Wuppertaler Klinik gebracht. Elf weitere Bewohner des Heimes mussten vom Personal evakuiert werden. Dabei zogen sich die beiden Nachtschwestern und die Heimleiterin Rauchvergiftungen zu. Sie sind zurzeit krank geschrieben. Der Gesundheitszustand der 82-Jährigen ist stabil. Da sie dement ist, kann sie laut Staatsanwalt keine Angaben machen.
Wie war es möglich, dass der Brandstifter unbemerkt in das Zimmer der Seniorinnen gelangen konnte? Nach Angaben des Geschäftsführers des Heimes, Frank Sieper, haben alle 90 Mitarbeiter einen Schlüssel. Überwachungskameras gebe es nicht. Fremde müssten nachts klingeln, um vom Personal hineingelassen zu werden. „Theoretisch ist es unmöglich, dass jemand unbemerkt ins Haus kommt“, meinte Sieper. Der Geschäftsführer hat dennoch die Sicherheitsmaßnahmen verbessert.
Über Tage hatte sich die Polizei mit Informationen zurückgehalten. Letztlich habe das Kurzgutachten eines Brandsachverständigen Klarheit gebracht, sagt Staatsanwalt Kaune-Gebhardt. Details wollte er auch gestern aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben. „Das ist Täterwissen.“ Und dies kann später zur Überführung des Brandstifters und Mörders führen.
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