Remscheid: CDU: Neustart an der Blume
VON HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 07.09.2010Remscheid (RPO). Remscheid braucht das Gewerbegebiet an der A 1 um zu überleben, sagt CDU-Fraktionschef Jochen Siegfried im BM-Gespräch. Einen Kompromiss von Grundstücks-Inhabern, Bürgern und Investoren hält er für möglich.
Wenn Remscheid neue Arbeitsplätze anbietet, wird es für Neubürger wieder attraktiver und der Schrumpfungsprozess der Stadt kann aufgehalten werden, sagt Joachim Siegfried. In diesem Prozess gibt es für den CDU-Fraktionschef "keine Alternative zum Gewerbegebiet Blume". Erst 2019, so rechnete er im Redaktionsgespräch bei der BM vor, werde das geplante Gewerbegebiet im Gleisdreieck bei Bergisch Born fertig sein. "Bis dahin ist Remscheid tot."
An der Blume hingegen, die mit eigenem Autobahnanschluss über optimale Bedingungen verfüge, seien alle planerischen Hausaufgaben bereits gemacht. "Wenn sich ein Investor findet, der auch die Erschließung übernimmt," könne in zwei Jahren auf der Blume gebaut werden.
Jochen Siegfried
Beruf Jochen Siegfried (41) arbeitet im Referat des Wuppertaler Oberbürgermeisters Peter Jung.
Politik Zur Kommunalwahl trat er als Oberbürgermeister-Kandidat der CDU an und unterlag Amtsinhaberin Beate Wilding (SPD) mit anderthalb Prozentpunkten.
Funktion Seit dem 8. September ist er CDU-Fraktionschef.
"Remscheid ist noch rettbar"
Wichtig sei es, die Grundstücksinhaber an der Blume und vor allem die Lüttringhauser Bürger in den Prozess der Planung eng mit einzubeziehen und nicht zu übergehen. Das sei der große "Planungsfehler" beim ersten Blume-Anlauf gewesen. Siegfried ist sicher, dass sich ein Kompromiss finden lässt. Seine Überzeugung: "Remscheid ist noch rettbar."
Impulse in diese Richtung aber vermisst Siegfried in der Stadtspitze seit längerem. Es gebe "keinen Kümmerer" in der seit einiger Zeit bei Oberbürgermeisterin Beate Wilding angesiedelten Wirtschaftsförderung. "Es fehlt in der Verwaltungsspitze das Grundverständnis für Wirtschaft", kritisiert Siegfried. Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass die heimischen Unternehmer längst dabei seien, sich "in einem Akt der Selbsthilfe" eigene Strukturen aufzubauen, um nicht länger von den Diensten der städtischen Wirtschaftsförderung abhängig zu sein, sagt Siegfried.
Versäumt werde von der Stadtspitze auch die Chance, ausländische Investoren nach Remscheid zu zu holen. "Auf der Expo Real laufen diese Leute von Stand zu Stand und suchen nach Möglichkeiten, wo sie im Ausland ihr Geld anlegen können." Die Remscheider Delegation auf der Messe aber sei bei der Akquise dieser Investoren ganz offensichtlich nicht erfolgreich.
Fehlendes Engagement sieht Siegfried auch bei der Nachfolge-Problematik. Viele mittelständische Unternehmer in der Stadt stünden vor der Frage, wer ihren Betrieb weiterführt. Hier könne die Verwaltung viel tun, indem sie eine Vermittlungsbörse organisiere, für die sie extern Werbung macht. Zusammen mit heimischen Kreditinstituten wie der Sparkasse könne man dann passgenaue Finanzierungen für den Einzelfall erarbeiten, um den Übergang in neue Hände zu gestalten.
Erneut sprach sich Siegfried für eine Bebauung der Knusthöhe in Lennep aus. Hier könne etwa für Berufspendler autobahnnah reizvoller Wohnraum entstehen. Politisch aber sei das von der Ampel-Mehrheit im Rat "nicht gewollt".
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