Remscheid: Chancen für Hochbegabte wahren
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 25.01.2008Remscheid (RPO). Der Elternverein des iMoKHo-Kinderhauses ist zutiefst besorgt, weil die Finanzierung der Einrichtung für Kinder mit hohem IQ ausläuft. Händeringend wird nach Lösungen gesucht. Das Jugendamt erläutert die Bedingungen.
Insgesamt 13 Eltern bangen um den Fortbestand des Kinderhauses für Hochbegabte an der Kremenholler Straße, jene Einrichtung, die nach Meinung der Mütter und Väter ihr Leben und die Entwicklungschancen ihres Kindes positiv verändert hat. Die Karg-Stiftung, die sich um Beratung und Finanzierung von Einrichtungen für hochbegabte Kinder kümmert, hat sich aus der Förderung zurückgezogen. 30 000 Euro flossen bisher jährlich in das Remscheider Kinderhaus, das nach der Montessori-Pädagogik arbeitet.
„Nur noch bis Juni ist die Finanzierung gesichert“, berichtet Daniela Swientek vom Elternrat und Mutter eines hochbegabten Jungen. Sie und die anderen Eltern wollen jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um die bisherige sehr engagierte Betreuung ihrer Kinder durch die Leiterin Johanna Scholz und ihrer Kollegin sicher zu stellen: über die politische Schiene, mit fleißigem Klinkenputzen bei der Wirtschaft, mit Patenschaftsmodellen. Mit Zahlung der Höchstbeiträge für den Kindergartenplatz seien die Budgets der Eltern ausgereizt.
Angebote
Für hochbegabte Kinder gibt es in Remscheid nur zwei Einrichtungen: Die Kita Sedanstraße und das iMoKHo-Kinderhaus. Die Erzieherinnen haben eine spezielle Ausbildung, Johanna Scholz ist Hochbegabten-Pädagogin.
Dabei poche niemand auf eine exclusive Einrichtung für Hochbegabte. „Wir sind kein elitäres Clübchen“, betonte die Sprecherin ausdrücklich. Für integrative Modelle oder auch einen Anschluss an eine bestehende andere Einrichtung sei man offen. Bisher war der Anmeldedruck im iMoHKo-Kinderhaus aber so groß, dass die „Überflieger“ unter sich blieben. Laut der Leiterin Johanna Scholz stehen elf Kinder auf der Warteliste.
Eindringlich appellieren die Eltern, dass hochbegabte Kinder genauso einen Anspruch auf individuelle Förderung haben wie weniger Begabte. „Leider gibt es immer noch viele Vorurteile und Unkenntnis. Auch der Neidfaktor spielt vielleicht eine Rolle“, erzählte Swientek von ihren Erfahrungen.
So meinten viele, der Sprössling werde von überehrgeizigen Eltern darauf getrimmt, ein kleiner Einstein zu werden. Swientek: „Aber Hochbegabte bringen alles mit.“ Sie haben einen schier unstillbaren Wissenshunger, schlafen wenig, sind nicht nur intellektuell auf der Höhe, sondern auch motorisch ihren Altersgenossen weit voraus – und sind sehr sensibel. So führte die Kenntnis von nachtaktiven Tieren bei ihrem Sohn zu schlaflosen Nächten.
Für die Eltern sind die Kinder mit einem IQ ab 130 und darüber vor allem anstrengend. „Als wir merkten, dass Konstantin anders ist, sind wir nach einem Auslandsaufenthalt nach Deutschland zurückgekehrt, um hier Hilfe zu finden“, beschrieb die 35-Jährige die Veränderung im Familienleben. Ihr Mann gab dafür eine Top-Position auf. Über die Familienbildungsstätte „Die Wiege“ fanden beide den Weg zum Kinderhaus, „wo unser Sohn endlich Freunde fand.“
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