Remscheid: Christentum als Praktiker gelebt
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 13.02.2007Remscheid (RPO). Pfarrer Reinhold Brahm (Hasten) ist nach 42 Jahren in den Ruhestand verabschiedet worden.
Neun Jahre gehörte Reinhold Brahm zum Hastener Stadtbild. Der hochgewachsene Mann war mit seiner humorvollen, verbindlichen und sicher auch direkten Art ein Pfarrer zum Anfassen. Und das wollte er auch sein. „Ich bin mehr ein Praktiker als ein Theoretiker. Gelebtes Christentum ist mir wichtig“, sagt der Theologe, der jetzt von seiner Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Gerne hätte er sich noch ein wenig länger um seine Gemeindeglieder gekümmert. Aber laut den Vorschriften der Evangelischen Kirche in Deutschland ist mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres die Pensionsgrenze erreicht. 42 Jahre lang war Brahm hauptamtlich „bei Kirchens“ beschäftigt, wie er schmunzelnd anmerkt.
Die Gemeindearbeit war sein Lebensinhalt. „Ich hätte nie etwas anderes machen wollen“, sagt er mit Nachdruck. Über den zweiten Bildungsweg ist er seiner Berufung, in den Dienst der Kirche zu treten, gefolgt. Zunächst war er lange in Köln, später in Remscheid. „Die bergische Mentalität ist natürlich eine andere. Aber ich habe mich hier sehr wohl gefühlt“, meint er rückblickend. Vor allem die gute Teamarbeit mit seinem Kollegen Siegfried Landau und den Mitarbeitern ist seiner Vorstellung von Gemeindearbeit sehr entgegengekommen. Auf dem Hasten wurden Pfarrbezirke abgeschafft und die Aufgaben nach Absprache verteilt.
In den letzten Jahren hat er sich verstärkt um die Senioren gekümmert. „Für die Konfirmanden war ich ja eher der Oldie“, meint er mit einem verschmitztem Lächeln. Die ganze Palette von Bibelarbeit über Freizeitprogramme bis hin zu seniorenbezogenen Gottesdiensten hat er hier für die älteren Menschen angeboten. Und dieser Dienst ist gerade für den Remscheider Stadtteil, in dem 48 Prozent der evangelischen Gemeindeglieder über 65 Jahre alt sind, von großer Bedeutung gewesen.
Die Liturgie steht für Brahm im Zentrum. „Der Gottesdienst ist der Mittelpunkt der Gemeindearbeit. Von ihm strahlt alles andere aus.“ Von einer allgemeinen Rückbesinnung zum Glauben, von der allenthalben wieder die Rede ist, will der Theologe nicht unbedingt sprechen. „Sicher gibt es wieder ein verstärktes Interesse an Glaubensfragen. Für eine große Bewegung ist die Pluralität in der Gesellschaft aber zu groß“, findet er. Doch immer dort, wo der Glaube gelebt wird, wo Theorie und Praxis einander ergänzen, sei der Glaube ansteckend. Und dafür will sich der künftige Pfarrer im Ruhestand Reinhold Brahm einsetzen. Ehrenamtlich in seiner alten Heimat Köln.
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