Remscheid: "Das ist eine Katastrophe"
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 15.04.2009Remscheid (RPO). Die nächste vom Einzelhandel ausgelöste Schockwelle erreicht Remscheid: Die Warenhaus-Kette Woolworth hat gestern Insolvenz angemeldet. Der Alleestraße droht ein weiterer Leerstand.
Insolvenzen im Handel
Boecker Insolvenz im März 2004. Drei Filialen überleben, auch die in Remscheid.
Wehmeyer Ehemalige Karstadt-Tochter. Insolvenz im Juli 2008. 23 Filialen überleben, darunter die in Remscheid.
SinnLeffers Ehemalige Karstadt-Tochter. 2008 Insolvenz. Im Februar 2009 schließt das Remscheider Haus – wegen zu hoher Mieten.
Hertie Ehemalige Quelle-Tochter. Seit Juli 2008 in der Insolvenz. Es gibt Streit um zu hohe Mieten.
Für die Alleestraße ist es eine weitere Hiobsbotschaft: Die deutsche Kaufhaus-Kette Woolworth hat wegen mangelnder Liquidität in Frankfurt/M. Insolvenz angemeldet.
Davon betroffen ist auch die Remscheider Filiale in der Innenstadt. Ersten Informationen zufolge müssen rund 25 Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze bangen. Nachdem das Modehaus SinnLeffers am 26. Februar seinen Standort an der Alleestraße endgültig aufgab, droht nun unweit davon ein weiterer Leerstand.
"Das ist eine Katastrophe" – dieser Satz war gestern gleich mehrfach zu hören. Zum Beispiel von Oberbürgermeisterin Beate Wilding, die die Nachricht in ihrem Urlaub erreichte. Sie will sich nun schnellstmöglich mit dem Insolvenzverwalter, der hiesigen Geschäftsleitung und dem Betriebsrat in Verbindung setzen. Bewirken könne man in dieser Situation jedoch nicht mehr viel, befürchtet sie.
Kaufkraft ist zu gering
Auch Bernhard Grunau, Vorsitzender des Marketingrates Innenstadt, spricht von einer Katastrophe für den Remscheider Einzelhandel. Er sieht angesichts der geringen Kaufkraft in dieser Stadt kaum mehr Chancen für eine Verbesserung der Lage.
Große Ladenlokale wie die von SinnLeffers (4000 Quadratmeter Verkaufsfläche) und Woolworth (1600 Quadratmeter) wieder mit Leben zu füllen sei schwierig. "Es fehlt das Publikum. Welcher große Anbieter will hier schon Fuß fassen?", fragt Grunau.
Das vor allem, weil auch für diesen Standort das Problem hoher Mieten zu befürchten ist. Das Szenario erinnert fatal an SinnLeffers: Im Laufe der Jahre hat Woolworth seine Immobilien verkauft und zurückgemietet; die letzten 2007. Die meisten Häuser sind im Besitz eines amerikanischen Private-Equity-Unternehmens.
Für viele Beobachter wie Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, sind hohe Mieten mit verantwortlich für die Insolvenz von Woolworth.
Für Verdi-Gewerkschaftssekretärin Lieselotte Hinz, zuständig für den Einzelhandel in NRW, steht zudem fest: "Das Management hat es nicht geschafft, ein Konzept zu entwickeln, mit dem sich Woolworth auf dem Markt gut aufstellen konnte."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



