Remscheid: Denkmäler sollen Preis holen
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010Remscheid (RPO). Das Schieferhaus Villa Böker, die ehemaligen Feilenschmeide Baisiepen und das älteste Haus Remscheids bewerben sich um den Rheinischen Preis für Denkmalpflege. Remscheid gilt dabei als sehr aktive Kommune.
Die Stadt hat eine historische Zukunft. Da ist sich Angela Koch von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt sicher. Was wie ein Widerspruch klingt, zeigt sich im Schieferhaus "Villa Böker", der ehemaligen Feilenschmeide Baisiepen und dem ältesten Haus Remscheids in der Hofschaft Am Hasenclev.
Alle drei denkmalgeschützen Gebäude sind in den vergangenen zwei Jahren aufwendig renoviert oder saniert worden. Damit erfüllen sie als Baudenkmäler das einzige Kriterium, für die Bewerbung um den Preis für Denkmalpflege des Landesverbands Rheinland (LVR). "Remscheid ist da eine sehr aktive Kommune", sagt Sabine Cornelius vom LVR-Amt für Denkmalpflege. Seit es den Preis gibt – mittlerweile schon mehr als zehn Jahre – waren immer Remscheider Denkmäler mit im Rennen.
Der Preis
Voraussetzung Es muss sich um ein Denkmal handeln, das in den vergangenen zwei Jahren saniert wurde.
Geschichte Vor dem Rheinischen gab es den Westfälischen Preis für Denkmalpflege. Jetzt finden die Ausschreibungen jährlich im Wechsel statt.
Sponsoren Bisher finanzierte sich das Preisgeld aus privater Hand, was laut LVR zunehmend unsicherer wurde. In diesem Jahr stiftet erstmalig das Land NRW den Preis. Das Preisgeld wächst erstmalig von 5000 auf 7000 Euro.
Das Preisgeld von früher 5000 und ab diesem Mal 7000 Euro hat indes noch kein Seestädter auf dem Berge einstreichen können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass meist rund 40 Baudenkmäler – diesmal sind es sogar 68 – um das Preisgeld konkurrieren. Und nur der erste Platz wird ausgezeichnet. "Es ist zwar nur eine kleine Auszeichnung, aber immerhin", sagt Koch. "Und eine schöne Motivation." Die Untere Denkmalbehörde hilft bei der Bewerbung und unterstützt die Eigentümer von Baudenkmälern mit Rat und Tat und animiert zur Teilnahme.
"Das wäre schon wie ein kleiner Lottogewinn", sagt Christa Bergner. Sie und ihr Mann haben ihr Elternhaus, das aus dem Jahr 1639 stammende und damit älteste Haus der Stadt, renoviert und wollen es an eine Familie vermieten. Der zweite Kandidat aus Remscheid, die Villa Böker, ist gerade fertig renoviert. Joachim Schreiber hat in der bergischen Villa von 1904 das originale Antlitz wiederherstellen lassen. Der ehemals große Empfangsraum und die anderen Räume des Erdgeschosses sind zu einem Restaurant geworden. "Vorher war nichts an dem Haus gemacht worden", sagt Schreiber. Die ehemalige Feilenschmiede Baisiepen ist der dritte Kandidat. Seit fünf Jahren haben die Besitzer renoviert. "Vor fünf Jahren war es ja kurz vor dem Einsturz", sagt Sophie Welke. Dort befindet sich heute das Architekten-Büro Welke.
Das Spektrum der Denkmäler, die sich bewerben, ist groß. Es reicht von Kirchen und Mühlen über 50er-Jahre-Kinos bis hin zu Wohnhäusern und gar Bodendenkmälern, also etwa der alten Stadtmauer von Aachen, die zum Teil unterirdisch ist und freigelegt werden soll. Die Bewertung nehmen Architekten und Kunsthistoriker anhand der Bewerbungsunterlagen und Dokumente vor. Rund zehn Denkmäler kommen in die engere Auswahl. Schon im späten Herbst, vermutlich November, soll feststehen, wer den Preis gewinnen wird.
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