Remscheid: Der DOC-Elan ist verpufft
VON HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012Remscheid (RP). Die Mittelstandsvereinigung der CDU fordert Veränderungen in der Wirtschaftsförderung. Die Stadtspitze habe keinerlei Idee, wohin sie Remscheid entwickeln wolle. Enttäuschung herrscht über die Entwicklungsagentur.
Die Stadt braucht eine schlagkräftigere Wirtschaftsförderung, am besten angeführt von einem extern verpflichteten Fachmann, der idealerweise ein eigenes Dezernat in der Stadtverwaltung führt. Das fordert die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU. Die Idee einer bergischen Wirtschaftsförderung scheitere an den starken Eigeninteressen der Stadt Wuppertal, sagte der Vorsitzende Henner Blecher gestern vor Journalisten. "Da geht Remscheid als Verlierer draus hervor." Auch Impulse aus der Bergischen Entwicklungsagentur (BEA) vermisst die MIT. "Nennen sie mir ein Projekt, das die BEA für Remscheid verwirklicht hat", sagte Blecher und gab sich selbst die Antwort: "Das gibt es nicht." Zu abstrakt, zu wenig greifbar, zu weit weg von der Realität der bergischen Unternehmen seien die Ansätze der BEA, sagt sein Vize Jan Wilhelm Arntz.
Die MIT
Mitglieder 120 Unternehmer zählt die MIT und ist damit die größte der vier Vereinigungen in der Remscheider CDU.
Mitwirkung MIT-Vorstand Henner Blecher ist einer von vier Stellvertretern des Kreisvorsitzenden Jens Nettekoven. Er wurde am Dienstag im Amt bestätigt.
Der rote Faden fehlt
Längst kein Vertrauen mehr haben die in der MIT versammelten Unternehmer in die Arbeit der Wirtschaftsförderung unter Leiter Hans-Gerd Sonnenschein und seiner Vorgesetzten, Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Es fehle der "rote Faden", es fehle "die Idee, wohin man die Stadt in der Zukunft entwickeln will", sagt Blecher. So könne man keine auswärtigen Investoren für die Stadt begeistern – und so verprelle man auch die hilfsbereiten Kräfte in der heimischen Wirtschaft. Die Verantwortlichen im Rathaus hätten "keine Vorstellung davon wie sie Remscheid vermarkten sollen", sagte Arntz. Die Motivation der Wirtschaft, Remscheid bei Projekten zu helfen, sei grundsätzlich da. Dafür aber müsse man erst mal wissen, wohin der Weg überhaupt führen soll.
Längst verklungen ist auch die Aufbruchsstimmung beim "einzigen Leuchtturmprojekt" – dem DOC an der Blume. "Wir erfahren die Entwicklungen nur aus der Zeitung", sagt Blecher. Als massiver, auch finanzieller Unterstützer der DOC-Pläne erwarten die Unternehmer aber eine vertrauensvollere Zusammenarbeit mit der Stadt.
Als "Bankrott-Erklärung" bezeichnete Arntz die Aussagen von SPD-Fraktionschef Hans Peter Meinecke im BM-Interview zur Gewerbeflächepolitik in dieser Woche. Meinecke sieht wenig Chancen, neue Firmen in die Stadt zu locken, setzt mehr auf die Betreuung ansässiger Firmen. Man müsse "unkonventionelle Wege gehen", sagte Arntz. Solingen sei da beispielhaft.
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