Remscheid: Der Weg ist frei für Jeannine
VON HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010Remscheid (RPO). Nach dem Einbau einer Rampe im Erdgeschoss kann die Schülerin (18) im Rollstuhl nun auch die Mensa erreichen.
Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium ist damit das einzige behindertengerechte Gymnasium in Remscheid.Wenn ihre Klassenkameraden in die Mensa des Ernst-Morutz-Arndt-Gymnasiums gehen, kann Jeannine Nowicki (18) künftig dabei sein. Das Gymnasium an der Elberfelder Straße hat seit einigen Tagen im Erdgeschossbereich eine zwölf Meter lange Rampe, die Jeannine in ihrem Rollstuhl gut mit eigener Muskelkraft hochfahren kann. Bislang war ihr wegen Treppen der Zugang zum neuen Treffpunkt der Schule verwehrt.
Nach einem schweren Unfall im Sommer 2009, bei dem sie als Sozius auf einem Motorrad schwer verletzt wurde, sitzt die Remscheider Schülerin querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Schon in der Reha in Herdecke war für das Mädchen klar, dass es unbedingt ihr Abitur auf der EMA machen will. Diese Bitte gab sie auch an Schulleiter Hans-Heinz Schumacher weiter.
Gelder für die Schulen
Konjunkturpaket II 12,8 Millionen Millionen Euro flossen nach Remscheid.
Bedingungen Die Aufträge müssen bis Ende 2010 vergeben sein.
Ausgaben Rund neun Millionen Euro werden in den Bereichen Schule und Bildung investiert.
Der nahm Kontakt zur Stadt auf – und die reagierte schnell. Mit einigen Umbauten – unter anderem dem Einbau einer behindertengerechten Toilette – wurde die Schule so weit umgebaut, dass Jeannine den verpassten Unterricht in der Jahrgangsstufe 11 noch einmal mitmachen konnte. Zwischenzeitlich musste Jeannine ins Ämterhaus, wenn sie auf die Toilette musste.
Nun wird es ernst, denn die zwölfte Klasse bringt viele wichtige Prüfungen und Klausuren mit sich. "Deshalb war es wichtig, dass sie für diese Phase nicht auf eine andere Schule wechseln muss", sagt Hans Heinz Schumacher.
Neben Reha-Training und Schularbeiten bleibt nicht mehr viel Zeit, sagt Jeannine. Die nutzt die begabte Sängerin für Gesangstunden und Proben mit dem Chor Mixed Generations. Nach dem Unfall muss sie eine neue Atemtechnik lernen. "Mittelschwere Lieder gehen schon wieder ganz gut", sagt sie.
Mit der neuen Rampe ist die EMA das einzige behindertengerechte Gymnasium in Remscheid, sagt Thomas Judt vom Gebäudemanagement der Stadt. Rund 45 000 Euro holte Judt aus dem Konjunkturpaket II, um die Umbauten schnell auf den Weg zu bringen. Geld, das der Schule später an anderen Stelle abgezogen wird. "Wir werden auf ein paar Dinge verzichten", sagt Schulleiter Schumacher. 60 Prozent der Räume in der Schule sind nun für alle erreichbar. Das bedeutet viel Organisationsaufwand. Bei jedem Stundenplan, jeder Klausur muss überlegt werden, ob sie in Räumen geplant sind, die für Jeanine erreichbar sind.
Umbau spricht sich rum
"Von der neuen Rampe werden auch andere Schüler profitieren", sagt Jeannine. Tatsächlich hat sich durch die Berichterstattung der Medien bereits herumgesprochen, dass die EMA umgebaut wurde. Eine weitere Schülerin, die aufgrund einer Erkrankung möglicherweise bald den Rollstuhl benutzen muss, hat sich gerade an der Schule angemeldet.
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