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Remscheid: Die Geschichte des Mülls

VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 15.06.2010

Remscheid (RPO). Seuchen, Morast auf den Straßen und Müllverbrennungsanlagen: Eine Ausstellung der Remscheider Entsorgungsbetriebe erzählt die Geschichte des Abfalls und die Entwicklung seiner systematischen Beseitigung.

Michael Zirngiebl (r.), Werkleiter der Remscheider Entsorgungsbetriebe (REB), und REB-Mitarbeiter Frank Ackermann erläuterten gestern die Ausstellung im Allee-Center.  Foto: RPO
Michael Zirngiebl (r.), Werkleiter der Remscheider Entsorgungsbetriebe (REB), und REB-Mitarbeiter Frank Ackermann erläuterten gestern die Ausstellung im Allee-Center. Foto: RPO

Innenstadt "Jeder, der sein Nachtgeschirr auf die Straße entleere oder seinen Unrat nicht zu den hierfür ausersehenen Plätzen bringt, wird auf die Galeere geschickt oder durch die Straßen gepeitscht." – Das Zitat aus dem Neapel des 15. Jahrhunderts zeigt: Die Strafen für die illegale Müllentsorgung sind heute weniger drastisch, das Problem aber ist das gleiche geblieben: Wohin mit dem Müll?

"Der Unrat begleitete den Menschen", ist auf der ersten Tafel einer gestern eröffneten Ausstellung der Remscheider Entsorgungsbetriebe (REB) zu lesen. Ihr Titel: "Keine heiße Asche einfüllen" – eine Anspielung auf den Hinweis, der früher noch auf Plastik-Mülltonnen zu finden war. Glühende Asche hatte sie in Zeiten von Kohleöfen zum Schmelzen gebracht.

Info

Die Ausstellung

Wann? Die Schau "Keine heiße Asche einfüllen" ist noch bis Sonntag, 26. Juni, während der regulären Öffnungszeiten auf der Baumallee im Allee-Center zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Wer? Gestaltet haben die Ausstellung Mitarbeiter der Remscheider Entsorgungsbetriebe (REB) und der Wuppertaler Agentur Bürger Albrecht Partner.

Müllabfuhr seit 101 Jahren

Orangefarbene Tafeln erzählen nun im Allee-Center Geschichten zu Abfallentsorgung, Straßenreinigung und Abwasser. Der Anlass: 101 Jahre öffentliche Abfallbeseitigung in der Stadt. "Zum 100. Jahrestag haben wir es nicht geschafft", gesteht REB-Chef Michael Zirngiebl. Die auch mit historischen Fotografien bebilderte Ausstellung ist in zwei Bereiche unterteilt: Der erste Teil wirft einen Blick zurück in die Geschichte – und zwar nicht nur in die Remscheider Geschichte. Das Fazit: Abfälle gibt es, seitdem Menschen sesshaft geworden sind.

Noch bis vor 101 Jahren war es jedem selbst überlassen, wie er seinen Müll los wurde. Die Menschen auf dem Land entsorgten vor der Einführung einer systematischen Müllentsorgung fast alle Abfälle und Abwässer auf dem Misthaufen, der Straße und in Flüsse. Manchmal dienten auch die engen Zwischenräume zweier Häuser – sogenannte Ehgräben oder Winkel – zur Abfallentsorgung.

In den Städten wurden im Mittelalter Abfälle auf die Straße geworfen, Misthaufen verwandelten die Straßen in einen kaum passierbaren Morast. Die unhygienischen Zustände führten immer wieder zu Seuchen und Epidemien. Mit der ständig wachsenden Bevölkerung wuchs auch das Müllproblem: 1909 waren die Stadtverordneten Remscheids sich schließlich einig, die Müllentsorgung als "Gemeindeveranstaltung" zu übernehmen.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Arbeit und dem Angebot der REB sowie der Industrialisierung des Abfalls – der Entstehung von Mülldeponien, der Bau der Kanalisation und der ersten Müllverbrennungsanlage in Wuppertal, in der Remscheider Hausmüll verbrannt wird. "Wir haben heute eine saubere Stadt", findet der REB-Chef. Dabei sei vielen Menschen nicht bewusst, dass das, was ihnen selbstverständlich erscheint, erst vor so kurzer Zeit eingeführt wurde. Und eines versteht Zirngiebl nicht: Dass manche es immer noch für nötig hielten, einen Kühlschrank im Wald zu entsorgen, statt einfach die REB zu rufen.

Quelle: RP

 
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