Remscheid: Ein politischer Mensch
VON KRISTINA HELLWIG - zuletzt aktualisiert: 06.04.2010Remscheid (RPO). Sven Wiertz (35) ist der neue Vorsitzende der Remscheider SPD. Ein Generationenwechsel in Bezug auf das Alter – weniger auf die politischen Inhalte. Wiertz ist in der Sozialdemokratie groß geworden und möchte helfen, dass sie sich wieder auf ihre alte Stärke besinnt.
Natürlich kokettiert Sven Wiertz, wenn er erzählt, dass er als Grundschüler mit Lego den Bundestag nachgebaut hat. Oder dass er sich an den 1. Oktober 1982 erinnert, den Tag des Misstrauensvotums gegen Helmut Schmidt. Da war er in der ersten Klasse und blieb an diesem Tag zu Hause – und seine Mutter schaute mit ihm fern.
Doch Anekdoten wie diese verdeutlichen, in welchem Umfeld der heute 35-Jährige aufgewachsen ist, der seit gut zwei Wochen Vorsitzender Remscheider SPD ist. Beide Eltern waren hochpolitische Menschen, sein Vater war der 2007 verstorbene DGB-Kreisvorsitzende Hans Wiertz. "Politik war ein durchgehendes Thema", sagt Sven Wiertz über sein Elternhaus.
Der starke Mann hinter der OB
Er machte es zu seinem eigenen. Mit 15 trat er in die SPD ein, mit 24 wurde er Ratsmitglied. Das Lehramtsstudium (Mathe und Sozialwissenschaften) gab er zugunsten der Politik auf, als er zunächst Mitarbeiter des damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Hans Peter Meinecke und dann Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Remscheider Rat wurde. Den fehlenden Berufs- und Studienabschluss empfindet Wiertz nicht als Makel. "Es muss auch jungen Leute in der Politik geben", sagt er. Und: "Wichtig ist, dass man bereit ist, sich auf Neues einzulassen."
Sven Wiertz über. . .
Beate Wilding "Wunderbare Frau und Freundin – und natürlich Chefin."
Hans Peter Meinecke "Ein Wegbereiter und -begleiter, dessen Rat ich nicht missen wollte."
Sven Wolf "Der beste Freund."
Hannelore Kraft "Interessante Frau, von der ich mir wünsche, dass sie als Ministerpräsidentin Remscheid besucht."
Jürgen Rüttgers "Hab' ich persönlich noch nicht kennen gelernt. Politisch trennt uns einiges."
Siegmar Gabriel "Sehr guter Redner, der mit Worten zu begeistern vermag. Das habe ich in dieser Form lange nicht erlebt."
Angela Merkel (überlegt sehr lange) "Hab' ich mich wenig mit befasst, ich würde mich trotzdem gerne mit ihr unterhalten. Ihre Biographie ist außerordentlich: Frau, evangelisch, CDU – davor habe ich Respekt."
Barack Obama "Es war eine sehr persönliche Erfahrung, ihn in Berlin miterleben zu dürfen – aus 25 Metern Entfernung. Ich hoffe, dass er seine Ziele verwirklichen kann."
Seit 2004 arbeitet Sven Wiertz als persönlicher Referent der Oberbürgermeisterin im Rathaus. Als "vielseitig und interessant", charakterisiert er seine Aufgaben. Dazu gehöre die "wunderbare Möglichkeit", mit interessanten Menschen wie den Preisträgern der Röntgen-Plakette zu sprechen, genauso wie die Oberbürgermeisterin zu beraten und programmatische Arbeit in der Verwaltung zu leisten. Der Mann mit der starken Figur gilt als der starke Mann hinter Beate Wilding – ob es um ihre Reden oder das Sparpaket geht. Teile der CDU haben es scharf kritisiert, dass dieser Mann nun an die Spitze der SPD tritt. Er könne Berufliches und Politisches strikt trenne, entgegnet Wiertz. Außerdem sei die SPD keine Partei, in der der Vorsitzende sagt, wo's langgeht. "Als Vorturner bin ich die falsche Figur." Es seien die Gremien, die den Kurs festlegen.
Ohnehin ist Wiertz der Meinung, dass für Realpolitik die Fraktion zuständig ist. Ihm liegt als Vorsitzendem der SPD Grundsätzliches am Herzen – nicht weniger als die Erneuerung der Sozialdemokratie. Dass die SPD seit 1999 (seit der Ära Schröder) verlorengegangenes Vertrauen wiedergewinnt, wieder zu ihrer alten Stärke und Überzeugungskraft zurückfindet, darüber möchte er auch mit der Remscheider Basis diskutieren, mit ihr Impulse und Ideen entwickeln und auf die Landesebene tragen. Eine Herausforderung für den fixen Denker und geschickten Rhetoriker.
Er müsse unter Strom stehen, brauche die Belastung "um spüren, dass man etwas geleistet hat", sagt der Nachtmensch Wiertz über sich. Hat er das Bedürfnis nach Entspannung, dreht er mit dem Auto eine Runde durchs Bergische Land. Urlaub kann schon ein Tagesausflug mit Museumsbesuch sein. Oder ein Besuch im Antiquariat, "da müssen mich meine Freunde immer bremsen". Manchmal bedankt sich Wiertz mit einer seiner legendären Parodien. Von Politikern natürlich. Er hat sie schließlich von klein auf beobachtet.
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