Remscheid: Einzelhandel in Sorge
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 07.05.2008Remscheid (RPO). Einer Studie zufolge gibt es in Remscheid einen starken Kaufkraftverlust. Doch auch der geplante Umzug des Modegeschäftes H & M ins Allee-Center ist bei den Kaufleuten der City wichtiges Thema.
Einer aktuellen Studie zufolge hat Remscheid in den vergangenen fünf Jahren deutlich an Kaufkraft verloren. Lag der Wert im Jahre 2003 noch bei überdurchschnittlichen 114,8 Prozent, sind es jetzt nur noch 99,7. Der gesamtdeutsche Mittelwert liegt bei 100.
Diese Tendenz sei vor allem durch die steigende Zahl von Langzeitarbeitslosen bedingt, die durch Hartz IV weniger Geld in der Tasche haben, meldet der Infodienst Acxiom, der die Studie durchführte. Auch in Remscheid ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen hoch: Mit 2230 Betroffenen machten sie im April von allen Erwerbslosen einen Anteil von 43,6 Prozent aus. Das ist ein sehr hoher Wert. Bundesweit liegt er bei 38 Prozent.
Kaufkraft
Der Verlust an Kaufkraft ist in Remscheid im Vergleich zu den anderen beiden bergischen Großstädten am stärksten: Von 2003 bis 2008 sank der Wert von 114,8 auf 99,7 Prozent. Das ist ein Verlust von 15,1 Punkten. Wuppertal: minus 13,8 auf 97,5 Prozent; Solingen: minus 9,8 auf 101,8 Prozent.
In den Remscheider Geschäften ist von einem Kaufkraftverlust allerdings nichts zu spüren. „Unser Umsatz ist stabil. Wir sind mit dem Standort zufrieden“, sagt Allee-Center-Managerin Edda Prenz. Auch andere Einzelhändler halten den aktuell ermittelten Wert zwar für bedenklich, können die Tendenz für ihre eigenen Betriebe aber nicht bestätigen. Im Übrigen habe eine Studie der Marktforschungsgesellschaft GfK bessere Werte ergeben.
Ohnehin ist nicht die Konjunktur vorherrschendes Thema des Remscheider Einzelhandels, sondern hausgemachte Strukturprobleme durch eine einzelhandels-unfreundliche Politik. Auch der Umzug des Modegeschäftes H & M von der oberen Alleestraße ins Allee-Center zum Frühjahr 2009 ist zurzeit im Gespräch. „Zwischen den beiden Standorten liegen Welten“, findet Harro Schmidt, Inhaber des Schreibwarengeschäftes Gottlieb Schmidt an der unteren Alleestraße. „Das ist ein Geschäft mit hoher Frequenz, das die Kunden dazu veranlasst hat, auch mal auf die Alleestraße zu gehen“, sagt Schmidt. Mit dem Umzug von H & M gebe es in Remscheid eine weitere Zentrierung auf das Allee-Center – zum Nachteil der Alleestraße.
Managerin Prenz hält dagegen, dass H & M Remscheid den Rücken gekehrt hätte, würde das Center nicht passende Verkaufsflächen anbieten. Ihren Informationen zufolge sei H & M mit dem Flächenzuschnitt des alten Standortes nicht mehr zufrieden gewesen.
Wer in das frei werdende Ladenlokal einzieht, wisse er noch nicht, sagt Stadtmarketing-Manager Andreas Meike. „Hoffentlich wieder jemand Hochwertiges“, sagt Frank Berghoff, Optiker in direkter Nachbarschaft. Auch der Publikumsmagnet Tchibo an der oberen Alleestraße wird schließen. Das Geschäft wird von E-Plus übernommen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



