Remscheid: Einzelhandel unter der Lupe
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 26.12.2010 - 19:59Remscheid (RPO). Eine neue Studie führt alle Nahversorgungszentren auf, in denen Bürger ihren täglichen Bedarf decken können. Ihr Ziel ist es, bestehende Standorte zu schützen. Ob dieses Ziel verwirklicht wird, hängt allerdings von der Politik ab.
Für die Gestaltung von Einzelhandels-Standorten hat die Remscheider Stadtverwaltung jetzt einen weiteren Leitfaden an die Hand bekommen: Die in Köln ansässige BBE-Handelsberatung hat ein fast 40-seitiges Gutachten erstellt, das die so genannten Nahversorgungszentren unter die Lupe nimmt.
Was ist Inhalt der Studie? Unter dem Titel "Grundversorgung in der Stadt Remscheid" sind alle Einzelhandelsstandorte verzeichnet, in denen der Bürger seinen täglichen Bedarf decken kann – also Orte, an denen sich Supermärkte, Drogerien und Bäckereien angesiedelt haben. Sie liegen idealerweise in nächster Nähe zu Wohngebieten, sollten also auch zu Fuß gut zu erreichen sein. Das Gutachten nennt acht Standorte, darunter das neue Zentrum an der Wupperstraße, die Einkaufsmeile an der Hindenburgstraße oder die Geschäfte in Güldenwerth, die den Anspruch eines Nahversorgungszentrums mangels eines Lebensmittelgeschäftes allerdings nicht ganz erfüllen. Die Gutachter schätzen auch, wie viel Kaufkraft im Umkreis vorhanden ist.
Der Schwerpunkt
Inhalt In dieser und der kommenden Woche widmet sich die BM dem Schwerpunktthema Einzelhandel.
Umsetzung Wir schauen in die Stadtteile, lassen Betroffene und Experten zu Wort kommen und bitten Leser um ihre Meinung.
Bedeutung Laut Einzelhandelsverband gibt es die meiste Verkaufsfläche pro Einwohner in Remscheid (1,64 Quadratmeter). Zum Vergleich: Wuppertal: 1,36, Solingen: 1,17 Quadratmeter.
Welche Ziele hat die Studie? Der Bauausschuss, Gremium des Rates, hat die Studie im Jahre 2008 in Auftrag gegeben. Ihr Ziel ist es, eine Planungsgrundlage für die Entwicklung von Nahversorgungszentren zu bilden. Bestehende Standorte sollen geschützt, Versorgungslücken geschlossen werden.
Wie groß ist die Verbindlichkeit der Studie? Sie ergänzt das Regionale Einzelhandelskonzept, das im Jahre 2006 erstellt wurde und das die tatsächliche sowie gewünschte Entwicklung des Einzelhandels in den drei bergischen Großstädten beschreibt. Die Studie ist genauso verbindlich oder unverbindlich – an ihre Empfehlungen muss sich niemand halten.
Wie sagt die Politik zur Studie? Das Gutachten ging durch die Bezirksvertretungen sowie den Haupt- und Finanzausschuss. Dabei zeigte sich, dass die Studie in Teilen bereits veraltet ist, weil einige in ihr aufgeführte Geschäfte nicht mehr existieren, an anderen Standorten Läden hinzu gekommen sind. Das haben einige Politiker kritisiert.
Wie steht der Einzelhandelsverband zum Gutachten? Laut Georg-Eicke Dalchow, Geschäftsführer des auch für das Bergische Land zuständigen Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleisterverbandes, liefert die Studie der Politik einen Anlass, "sich mit dem Thema Nahversorgung zu beschäftigen". Zudem gebe sie der Stadt Remscheid eine Argumentationshilfe an die Hand, wenn es darum geht, die Ansiedlung von Discountern zu verhindern.
Allerdings sieht Dalchow die Gefahr, dass die Studie keine Verbindlichkeit entwickelt. "Man muss sich fragen, ob daraus ein politisches Signal wird oder nicht. Ist es so, dann wäre das Geld gut ausgegeben", sagt der Einzelhandelsexperte.
Die Studie ist nachzulesen hier.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



