Remscheid: Endlich raus aus der Kurzarbeit
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 02.02.2011Remscheid (RPO). Auch bergische Betriebe profitieren vom Aufschwung. Immer weniger haben Kurzarbeit. Auch das Remscheider Maschinenbau-Unternehmen Peiseler hat wieder auf Vollzeit umgestellt. Allerdings herrscht noch Skepsis.
Endlich sind die Auftragsbücher wieder voll bei der Peiseler GmbH & Co. KG. Das Remscheider Maschinenbau-Unternehmen hofft, in diesem Jahr einen Umsatz von 25 Millionen Euro zu erzielen. "Damit wären wir zufrieden", sagt Dr. Benedict Korischem, der gemeinsam mit Lothar Schwarzlose geschäftsführender Gesellschafter des 200 Mitarbeiter zählenden Unternehmens ist.
Die Folgen der Wirtschaftskrise scheinen überstanden zu sein: Im August vergangenen Jahres kehrte das Unternehmen von der im Februar 2009 eingeführten Kurzarbeit zur Vollbeschäftigung zurück. Seit Oktober bestellen die Kunden wieder mehr Maschinen. Ein Eindruck, der sich mit den Ergebnissen der Konjunkturumfrage der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) deckt: Ihr zufolge rechnen fast 97 Prozent der befragten Mitgliedsbetriebe für das laufende Jahr mit einer guten oder verbesserten Geschäftslage. IHK-Präsident Friedhelm Sträter sprach gestern in einer Pressekonferenz, während der er die Umfrage vorstellte, gar von einem "XXL-Aufschwung".
Gedämpfter Optimismus
Der Optimismus der Peiseler-Geschäftsführer ist hingegen etwas gedämpfter. In der Krise sei der Umsatz zeitweise um bis zu 60 Prozent geschrumpft, berichten sie. Im Boomjahr 2008 betrug er noch 34 Millionen Euro. Zehn Prozent der Belegschaft mussten trotz Kurzarbeit entlassen werden. Somit sei die Kurzarbeit auch kein Allheilmittel für Krisen. "Sie ist teuer und risikoreich", sagt Korischem. Ihr Vorteil sei am ehesten "eine Entschärfung des rigiden Kündigungsschutzes."
Der jetzt zu verzeichnende Aufschwung sei "bei weitem nicht so, dass man sagen kann, dass er alles kompensiert, was zurückgegangen ist", sagt Schwarzlose. Kunden wie Lieferanten trauten dem viel beschworenen Aufschwung noch nicht. "Er ist wenig verlässlich. Einige Branchen laufen überhaupt nicht", sagt Korischem. Darüber hinaus sei die Risikoneigung deutscher Unternehmer unter dem Eindruck der Krise "erheblich zurückgegangen". Investitionen würden nur zögerlich in die Tat umgesetzt, und die Kunden "bestellen lieber kleinere Mengen", sagt Korischem. "Zudem sind die Risiken auf den Finanzmärkten noch längst nicht ausgeräumt", ergänzt Schwarzlose und verweist auf finanzschwache EU-Staaten wie Irland, deren künftige Entwicklung jetzt noch nicht abzusehen sei. Dass in der Öffentlichkeit derzeit fast schon der Eindruck eines Booms entstehe, liege daran, "dass börsennotierte Unternehmen zum Maßstab für die gesamte Industrie genommen werden", mutmaßt Schwarzlose.
Ihr eigenes Unternehmen sehen die Geschäftsführer für die Zukunft gut aufgestellt. Auch in der Krise hätten sie investiert, modernisiert und die Produktivität verbessert. Der Auftragseingang im vergangenen Monat "war sehr gut". "Aber wir sind noch weit entfernt vom Niveau des Jahres 2008", sagt Schwarzlose.
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