Remscheid: Endlos-Prozess - nun schweigt der Zeuge
zuletzt aktualisiert: 08.01.2007 - 15:43Remscheid (RPO). (bona) Die vor der zweiten Großen Strafkammer des Wuppertaler Landgerichts verhandelte Strafsache gegen die Remscheider Rechtsanwälte Dr. Marcus F. und Dr. Thorsten H. entwickelt sich langsam aber sicher zu einer unendlichen Geschichte. Seit vergangenen November stehen die Angeklagten wegen Betrug, Insolvenzverschleppung und Untreue vor Gericht. Unter anderem sollen sie einem Remscheider Autohändler und früheren Mandanten auf betrügerische Weise überhöhte Anwaltsgebühren abgenommen haben.
Dieser Händler sollte gestern Vormittag erneut als Zeuge vernommen werden. Kurz vor Beginn der Verhandlung fand Richterin Karin Belker jedoch auf ihrem Schreibtisch einen Brief eines Bremer Rechtsanwalts vor, der sich als neuer Rechtsbeistand des Zeugen vorstellte. Er habe seinem Mandanten dringend empfohlen, die Aussage zu verweigern, weil ihm ein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht zustehe. Bereits drei mal habe sein Mandant dem Gericht als Zeuge zur Verfügung gestanden. Falls er nun erneut aussage, könne er sich in Widersprüche verwickeln, was unter Umständen ein Ermittlungsverfahren gegen ihn selbst nach sich ziehen könnte. Ohne Anwesenheit seines neuen Rechtsbeistandes wollte der Autohändler also nichts mehr zur Sache sagen. Und da der Bremer Jurist gestern verhindert war und erst einmal eine umfängliche Akteneinsicht wünscht, wurde der Zeuge zunächst entlassen, ohne eine einzige Angabe zum Sachverhalt gemacht zu haben.
„Die Ladung ist allerdings nur erfolgt, weil es um die restlichen Beweisanträge der Verteidigung ging, und nicht, weil wir den Zeugen noch mal in die Mangel nehmen wollten“, versuchte die Richterin den Zeugen zu einem Umdenken zu bewegen. Vergeblich. Ob man auf die Aussage des Zeugen verzichten wolle, müsse man noch besprechen, sagte der Anwalt von MarcusF.
So ging der gestrige Verhandlungstag wieder mit zahlreichen Unterbrechungen und Wartezeiten ergebnislos ins Land. „Offensichtlich legen es hier alle darauf an, die Kammer lächerlich zu machen“, bemerkte ein Prozessbeobachter kopfschüttelnd.
Bericht vom 25. September 2006
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