Remscheid: Freiheitstraße ist der Schlüssel
VON HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 20.04.2007Remscheid (RPO). Stadtumbau West: Unter anderem mit einer Verkehrs-Beruhigung der B 229 zwischen Honsberger Straße und Amtsgericht könnte die Lebensqualität im Bereich Stachelhausen steigen, sagen die Stadtplaner.
Verengen, begrünen, beruhigen – mit diesen drei Werkzeugen möchten die Stadtplaner vom Essener Büro BKR das Leben an und mit der Freiheitstraße verändern, um so den Stadtteil Stachelhausen langfristig aufzuwerten.
Beim dritten und letzten Werkstattgespräch zum geplanten Projekt „Stadtumbau West“ dominierte die viel befahrene Bundesstraße lange die Diskussion. Bei ihren Recherchen haben die Planer herausgefunden, dass die Bausubstanz hier besonders schlecht, das Mietniveau daher extrem niedrig und die Lebensqualität schlecht ist. „Hier muss etwas passieren“, sagte Michael Happe von BKR. Die hohe Lärm- und Feinstaubbelastung werde die Straße früher oder später sowieso in das Blickfeld der Politik rücken, weil neue gesetzliche Vorgaben bei Grenzwerten dann Veränderungen erzwingen,
Daten zum Stadtteil
Die Planer nennen Stachelhausen aufgrund ihrer Datenerhebung ein „multi-kulturelles Arbeiterviertel“. Rund die Hälfte der Bewohner hat einen Migrations-Hintergrund – Tendenz steigend.
Mieten und Grundstückspreise sind die niedrigsten in der Stadt. Die Bebauungsdichte ist hoch, es gibt kaum Freiflächen. Der letzte Neubau wurde 1998 errichtet.
Die Arbeitslosigkeit ist höher als im Stadtdurchschnitt.
„Wie eine Barriere“ empfinden viele Stachelhauser die südlich der Straße wohnen, die vierspurige Verkehrsader, auf der täglich 20 000 Autos unterwegs sind, vermehrt auch Laster. Die Nähe zur Innenstadt – eigentlich ein Vorteil des Quartiers gegenüber dem mit ähnlichen Problemen kämpfenden Honsberg – wird durch diesen Betonriegel zugestellt.
„Die jungen Leute planen hier nicht mehr ihre Zukunft“, sagte eine Hausbesitzerin von der Alexanderstraße. Nicht nur sie sprach sich gegen die seit vielen Jahrezehnten diskutierte Verlegung der B229 nach Süden (B 229n) aus. Das verlagere nur das Verkehrs-Problem noch tiefer in den Stadtteil hinein. Wie ein Damoklesschwert schwebe diese Idee über den Köpfen der Anlieger und sorge dafür, dass zum Beispiel dringend nötige Investitionen in Fassaden-Verschönerung oder Renovierung zurückgehalten werden. Gerade solche Impulse aber brauche der Stadtteil. Die Bürger müssten zeigen, dass ihnen etwas an ihrer Umgebung liegt.
Stadtplaner Hans-Gerd Sonnenschein betonte, dass die Stadt auch ohne eine B 229n Wege finden müsse, um die frei gewordenen Industrie- und Handelsfläche von Thyssen und vom Alexanderwerk gut anzubinden. Andernfalls werde eine Vermarktung schwer.
Als Bereicherung empfinden die Bürger die „Trasse des Werkzeugs“, die im Zuge der Regionale 2006 errichtet wurde. Der Wanderweg führt vor allem am Wochenende Besucher in den Stadtteil, die hier sonst nie hinkommen würden.
In der Woche allerdings sorge die Trasse auch für Probleme. Alkoholgelage schon am Morgen haben Anlieger beobachtet. Zurück bleiben Müll und Glasscherben. Sie regen eine häufigere Kontrolle der Trasse durch die Polizei oder das Ordnungsamt an.
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