Remscheid: Für dritte Gesamtschule
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 11.08.2010Remscheid (RPO). In die Bildungslandschaft kommt Bewegung. Unter Rot-Grün soll es Gemeinschaftsschulen geben. Klare Grundschulbezirke sind wieder möglich. Schuldezernent Burkhard Mast-Weisz setzt auf ideologiefreie Diskussionen.
Die rot-grüne Landesregierung hat die Bildungsdiskussion eröffnet. Künftig sind sechs Schulformen möglich, wenn Förderschulen in den anderen Schulformen aufgehen. Grenzen für Grundschulbezirke sollen wieder möglich sein. Gleichzeitig schrumpft die Schülerzahl weiter, so dass für einige Schulen die Luft dünn wird. Es ist Bewegung in der Schullandschaft. Welches Angebot Remscheid in einigen Jahren bereithält, darüber möchte Schuldezernent Burkhard Mast-Weisz nicht spekulieren.
Im Hinblick auf den Schulkrieg in Hamburg (Volksentscheid gegen sechsjährige Primarschule) sagte er beim Redaktionsgespräch der Bergischen Morgenpost: "Ich wünsche mir eine inhaltliche, ideologiefreie Diskussion mit allen Parteien." Schulentwicklungsplanung müsse alle Beteiligten mit ins Boot holen. Aus einem Wunsch macht der Sozialdemokrat keinen Hehl: "Ich favorisiere eine dritte Gesamtschule."
Neue Schulformen Wie berichtet, soll es neben Haupt-, Realschule, Gesamtschule die neue Variante Gemeinschaftsschule und zwei Arten von Gymnasium geben: Abitur nach acht (Turboabitur) oder neun Jahren. In der Gemeinschaftsschule, die längeres gemeinsames Lernen ermöglicht, sehe er eher eine Lösung für ländliche Regionen, sagte Mast-Weisz. Ein Standort für eine dritte Gesamtschule könne in Remscheid nur einvernehmlich mit Schulen gefunden werden. Im Gebäudebestand böten sich Schulzentren wie Klausen oder Hackenberg an. Durch Zusammenlegung von Standorten der Berufskollegs, was nach der Sommerpause ein Thema wird, würden Räume frei.
Elternwille Jährlich werden etwa rund 230 an den beiden Gesamtschulen angemeldete Kinder abgelehnt. Das dokumentiert Elternwille. Aber eine flächenbedeckende Befragung von Eltern zum Bedarf an Schulformen – analog zu den Umfragen zum Kita-Bedarf – sieht Mast-Weisz skeptisch: "Man muss dem Elternwillen dann auch Rechnung tragen können."
Schulbezirksgrenzen Seit Aufhebung fester Einzugsbereiche von Grundschulen überschritten zehn Prozent der Kinder die alten Schulbezirksgrenzen – immerhin rund 80 Kinder, das seien rund drei, vier Klassen. "Das bisherige System ist besser", sagte Mast-Weisz.
Finanzierung Im Schulsektor herrsche hoher Investitionsbedarf, insbesondere durch Ganztagsausbau – in Form der Übermittag-Betreuung mit Nachmittagsunterricht oder dem gebundenen Ganztag (Albert-Schweitzer-Realschule) mit verpflichtendem Nachmittagsbetrieb. Die Gesamtkosten für acht Schulen liegen bei 4,8 Millionen, nur rund 450 000 Euro kommen aus dem Landesprogramm zum Ganztagsausbau. Das binde viel Geld im städtischen Haushalt. FRAGE DES TAGES
Internet Bisherige Berichte unter www.rp-online.de/remscheid
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