Remscheid: „Genügend Termine“ für Nr. 3
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010 - 14:33Remscheid (RPO). Es muss zwischen Hauptspeise und Dessert gewesen sein, als Helmut Kempkes, Vize-Präsident der bergischen Industrie- und Handelskammer, ans Mikrophon trat und die entscheidenden Worte sprach. „Nichts gegen Sie persönlich, Herr Schichel, wir kennen Sie ja gar nicht“, sagte Kempkes, bevor er das neu geschaffene, dritte Bürgermeisteramt für eine überschuldete Stadt wie Remscheid als Geldverschwendung brandmarkte.
Alle Augen richteten sich daraufhin auf David Schichel. Der jedoch bewies Nehmerqualitäten: Er grinste und ging in der folgenden Pause erst mal nach draußen, um sich in Ruhe eine Kippe zu drehen. So geschehen beim Empfang der Remscheider Wirtschaft im November vergangenen Jahres.
Die Kritik am dritten Bürgermeisteramt trägt Schichel gelassen. „Es sind genügend Termine da für mich. Das zeigt an, dass ich auch gebraucht werde“, sagt er und begleitet seine Aussage mit einem selbstbewussten Blick. In seinem Amt als Bürgermeister nimmt der Student im Schnitt zwei Termine pro Woche wahr. Die hat er in einem dicken Papierkalender vermerkt. „Ich habe seit ein paar Jahren überhaupt erst einen Terminkalender“, sagt er, während er darin blättert. Das studentische Lotterleben sei damit vorbei, „ich muss mir schon montags überlegen, wie ich die Woche geregelt kriege“, sagt er. „Das ist neu für mich.“
Die Aufträge, für die ihn das Büro der OB einteilt, sind abwechslungsreich. Mal besucht er Schulen, mal Vereine, mal geht er auf Empfänge. „In drei Wahlkämpfen bin ich nicht so viel rumgekommen wie jetzt in den ersten drei Monaten als Bürgermeister“, sagt Schichel. Hinzu kommen weitere Aufgaben, die das Amt mit sich bringt. So sitzt der 28-Jährige im Ältestenrat, dem die Verwaltungsspitze der Stadt sowie alle Fraktionschefs angehören. „Das ist nicht schlecht, wenn da auch mal ein jüngeres Gesicht sitzt.“
Doch auch nach 100 Tagen im Amt muss der 28-Jährige immer noch Aufklärungsarbeit in eigener Person betreiben. Nicht alle kennen ihn, „vor allem die älteren Semester nicht. Die Jüngeren schon“, erzählt er. Häufig begegne ihm der Satz „So jung und schon Bürgermeister?“
Helmut Kempkes habe er übrigens zwischenzeitlich seine Visitenkarte übergeben und sich vorgestellt. „Der kennt mich jetzt“, sagt er und grinst erneut.
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