Remscheid: Genüssliches Bummeln nach den Feiertagen
VON BIRTHE ROSENAU - zuletzt aktualisiert: 07.01.2010Remscheid (RPO). Fast schon machten sich lange Mienen im Remscheider Einzelhandel breit, als das Weihnachtsgeschäft schließlich doch noch anzog. "Zum Ende hin hat es immer mehr an Fahrt aufgenommen", fasste es Allee-Center-Managerin Christine Matlage gestern zusammen. Mehr noch, zwischen Weihnachten und Neujahr hatten die 108 Mieter im Einkaufscenter richtig viel zu tun.
Auch der 2. Januar sei ein sehr guter Tag gewesen. "Letztlich haben so die meisten Händler sogar einen leicht besseren Jahresabschluss erreicht als 2008", berichtete die Center-Managerin. Das lasse die meisten Händler sehr viel positiver auf das neue Geschäftsjahr blicken.
"Rauf und runter ging es immer"
Doch die Bedingungen bleiben vor allem für kleinere Fachgeschäfte schwierig. Bernhard Grunau vom Marketingrat Innenstadt: "Rauf und runter ist es immer gegangen, aber so etwas wie voriges Jahr habe ich zum ersten Mal erlebt." Sein Sohn betreibt in dritter Generation ein Textilien-Geschäft. Die Strategie für das Jahr 2010: im Einkauf zurückhaltender sein, um das Personal zu halten. "Wir werden kämpfen und lieber Margarine als Butter aufs Brot schmieren", betont er.
Auch Anette Sträter, Inhaberin des Kreativladens "Cleo & Estella" in Lüttringhausen, weiß um die Nöte der kleinen Geschäfte. "Es wird immer wichtiger, ein eigenes Konzept zu haben, um sich stark von allen anderen abzugrenzen", sagt sie. Als Designerin baut sie sich gerade ein zweites Standbein auf: Sie vermarktet selbst entworfene Armreifen aus Filz und Silber. Sie will 2010 verstärkt Märkte besuchen und sich bewusst Nischen suchen. "Zwischen den Jahren war das Geschäft jedenfalls nochmal super", betont sie.
Auch Boecker-Leiterin Cornelia Wüllenweber hat nach Weihnachten in ihrer Filiale "genüssliches Shopping" beobachtet. "Der Trend geht offenbar immer mehr zu Geldgeschenken", sagt sie. Viele nutzten dann ihre freien Tage, um ohne Stress durch die Geschäfte zu bummeln. Das Bekleidungshaus profitierte vom Wintereinbruch, bei Handschuhen und Mützen gab's gar Engpässe. "Wir gehen mit Optimismus an das Jahr 2010 heran. Schließlich haben wir viele treue Kunden", betont Wüllenweber.
Aus der schwierigen Situation durch die Schließung des Hertie-Kaufhauses in Lennep will die Modegalerie-Inhaberin Elisabeth Pfordt dieses Jahr das Beste machen. "Wir haben unser Sortiment um Taschen, Strumpfhosen, Gürtel und Schmuck erweitert. Das wurde sehr gut angenommen", sagt sie.
Georg-Eicke Dalchow vom Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleisterverband weiß um die Probleme in Lennep. Doch der Einzelhandel sei 2009 noch vergleichsweise gut weggekommen. Seine Langfristprognose: "Der Handel wird in Zukunft sicher nicht Wirtschaftslokomotive sein. Das sind eher Dienstleistungsbereiche wie Wellness und Unterhaltung."
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