Remscheid: Gericht: Juwelendiebe kamen durchs Fenster
VON BERND GEISLER - zuletzt aktualisiert: 09.09.2010Remscheid (RPO). Am fünften Tag des Prozesses vor dem Landgericht, in dem sechs Männern vorgeworfen wird, unter anderem drei spektakuläre Diebstähle in Remscheid bei Juwelieren und einem Reitsportgeschäft begangen zu haben, waren gestern die Juweliere und ein Gutachter gefragt.
Die Inhaber beschrieben, wie sie ihre Geschäfte vorgefunden hatten. Die Täter waren in ein Juweliergeschäft am Markt als auch in eine Juwelierwerkstatt in Lüttringhausen jeweils durch ein Fenster an der Hinterseite der Gebäude eingedrungen. Beide Fenster waren zwar durch Gitterstäbe gesichert, stellten aber für die Einbrecher kein Problem dar. So sägten sie einen 15 Millimeter dicken Gitterstab durch, bogen ihn nach hinten und zwängten sich durch die Lücke. Am anderen Fenster rissen sie das Gitter heraus, hebelten das dahinter liegende Fenster auf und rissen die geschlossene Jalousie herunter.
Ein Juwelier bezifferte den Wert des gestohlenen Schmucks auf rund 300 000 Euro. Der Gutachter hatte in seinem Gutachten – es erstreckt sich über 237 Positionen – bei einer Vielzahl von Einzelstücken einen teilweise weit höheren Wert geschätzt. Das könne am mittlerweile gestiegenen Goldpreis liegen, mutmaßte der Geschädigte. Als die Verteidigung zu einzelnen Schmuckstücken hartnäckig Details wissen wollte, fühlte sich der 74-jährige Juwelier offenbar bedrängt. "Bin ich der Angeklagte oder bin ich beklaut worden?", äußerte er sich ein wenig aufgebracht. Der Vorsitzende zeigte Verständnis für den Geschädigten.
Der Uhrmacher, in dessen Werkstatt die Diebe eingebrochen waren, berichtete, dass er in jener Nacht von der Alarmanlage geweckt worden sei. Er habe aber einen Fehlalarm angenommen, weil der Laden unbeschädigt gewesen war. Auf die Idee, in seiner Werkstatt nachzuschauen, war er nicht gekommen. Auf jeden Fall hatte seine kranke Katze in dieser Nacht unter dem Einbruch leiden müssen. Sie hatte in der Werkstatt übernachtet und, so vermutete der Uhrmacher, sich wegen des Einbruches so erschrocken, dass sie am nächsten Tag starb.
Zwei seiner Uhren mit hohem Wiedererkennungswert hatte der Uhrmacher in einer Internet-Auktion wenig später entdeckt. Er unterrichtete die Polizei, so wurde eine wichtige Spur gefunden.
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