Remscheid: Geschichte auf Schienen
VON BERNWARD LAMERZ - zuletzt aktualisiert: 25.10.2007Remscheid (RPO). Auf dem letzten verbliebenen Bahngleisstück der „Trasse des Werkzeugs“ wird ein ausgedienter Kesselwagen der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein aufgestellt. Eine Initiative des Vereins „Museum Destille Frantzen“.
28 Tonnen schwer, zehn Meter lang und 4,5 Meter hoch ist das neue Ausstellungsstück, mit dem die „Möblierung“ der Werkzeugtrasse fortgesetzt werden soll: Ein Kesselwaggon, der noch bis vor wenigen Monaten große Mengen überschüssig produzierten Alkohol von den Brennereien in ganz Deutschland zur Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BFB) in Offenbach transportiert hat. Der Verein „Museum Destille Frantzen“ hat das gut erhaltene Stück mit Unterstützung der Sparkassen-Jubiläumsstiftung von der BFB gekauft. Zum „Schrottwert“-Preis von 1800 Euro, wie Brennerei-Chef Dr. Rainer Frantzen gestern in einem Pressegespräch erläuterte.
Das Fest
Der Museumsverein Destille Frantzen will die Aufstellung des Kesselwagens mit einem kleinen Bürgerfest feiern:
Sonntag, 4. November, 12 bis 16 Uhr im Bereich Bürgerpark Stachelhausen / RWE-Trafostation (u.a. mit preiswerter Verkostung von Frantzen-Produkten).
Mit dabei: Der „Bürgerkreis Stachelhausen 2020“
Seine Traditions-Destille, die sich auch mit diesem Projekt zum öffentlichen Museum weiterentwickeln soll, liegt in Stachelhausen direkt an der Werkzeugtrasse. Auf dem verbliebenen alten Stückchen Gleisanschluss von Frantzen, der seit 1986 nicht mehr genutzt wird, soll der Waggon als industriegeschichtliches Anschauungsobjekt seinen Platz finden. Auch die Firma Gebrüder Frantzen hatte über Jahrzehnte hochprozentigen Kornbranntwein an die BFB (z.B. zur Weiterverwertung als Industriealkohol) abgeliefert.
Der grüne Kesselwagen (Fassungsvolumen: 36 000 Liter) ist bereits vom Güterbahnhof München-Süd auf ein Abstellgleis des Sägenherstellers QSZ in Bliedinghausen gerollt. Von dort wird die Spedition Vöpel, die auch zu den Unterstützern des aufwendigen Projekts zählt, im Laufe der nächsten Woche Kessel und Chassis des Waggons getrennt auf zwei Tiefladern zur Werkzeugtrasse transportieren. Ein großer Schwerlastkran hievt das gute Stück dann aufs Frantzen-Gleis; das Ausstellungsensemble soll demnächst noch durch einen Prellbock ergänzt werden, der bei ThyssenKrupp ausgedient hat, kündigte Frantzen an.
Vielleicht finde sich ja auch noch jemand, der eine Beleuchtung des Kesselwagen-Exponats sponsern wolle. Das würde dann buchstäblich die Zufriedenheit von Stadtführer Klaus R. Schmidt komplett machen. Der engagiert sich auf dem stadt- und industriegeschichtlichen Spazierweg in besonderem Maße und sagte gestern: „Ich freue mich über jedes Highlight, das ich bei Führungen auf der Trasse zeigen kann. Und dies hier ist ein richtiges Highlight.“ So hofft Rainer Frantzen, dass das Waggon-Projekt auch bei anderen Trassen-Anliegern „etwas ins Rollen bringt“.
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