Remscheid: Gutachten: MKS privatisieren
VON CHRISTIAN PEISELER - zuletzt aktualisiert: 30.12.2010Remscheid (RPO). Der Gutachter Peter Hellwig stellt bei der Musik- und Kunstschule ein hohes Maß an Unwirtschaftlichkeit fest. Die hauptamtlichen Mitarbeiter seien nicht ausgelastet. Preise für den Einzelunterricht sollen erhöht werden.
Der Gutachter Peter Hellwig ist ein Mann vom Fach. Seit über zehn Jahren leitet er kommunale Musikschulen, unter anderem in Solingen und in Osnabrück. Im Auftrag der Stadt analysierte er nun die Organisationsstruktur und die Angebote des Remscheider Instituts.
Im zweiten Teil entwirft er ein Konzept für die Zukunft. Dabei spricht er sich für eine Privatisierung des städtischen Instituts aus. Anlass für das Gutachten sind die Vorgaben des Sparpakets der Stadt. Die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und FDP hat als Ziel ausgegeben, 400 000 Euro einzusparen. Bisher liegt der Zuschuss für die MKS bei etwa 800 000 Euro pro Jahr.
Gegen Privatisierung
Position "Die Linke" bezieht Position gegen die Privatisierung der MKS. Noch bevor Fraktionsgeschäftsführer Axel Behrend das Gutachten gelesen hat, spricht er sich gegen eine Privatisierung und gegen Gebührenerhöhung aus.
Sitzung Der Kulturausschuss tagt im Februar. Dort soll das Gutachten beraten werden.
Arbeitet die Musikschule wirtschaftlich?
Das verneint der Gutachter. Da es keine Kontrolle durch die Stadt gegeben habe, seien kaufmännische Gesichtspunkte aus dem Blick geraten. Der städtische Zuschuss pro Schüler lag im Jahr 2009 bei 691 Euro. 73 Prozent des Unterrichts ist Einzelunterricht. Aus Sicht des Gutachters sei dies wirtschaftlich nicht optimal, da die Margen verhältnismäßig gering sind. Mit einem Kostendeckungsgrad von 31,8 Prozent liege die Remscheider Musikschule deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Der Gutachter mahnt bei allen Beteiligten ein Umdenken an, wenn die MKS wirtschaftlich überleben will.
Wie lässt sich wirtschaftlicher arbeiten?
Hellwig schlägt unter anderem vor, die Preise für den Einzelunterricht schrittweise zu erhöhen. Gleichzeitig sollen aber die Konditionen, wie zum Beispiel Kündigungsfristen, kundenfreundlicher gestaltet werden. Mit neuen Unterrichtsmodellen sollen mehr Schüler gelockt werden. Insgesamt müsse es ein einheitliches und stimmigeres Entgelttarifsystem geben.
Sind die hauptamtlichen Musikschullehrer mit ihrer Arbeit ausgelastet?
Nach Einschätzung des Gutachters sind die 16 Lehrer, verteilt auf 11,2 Stellen, nur zu 73 Prozent ausgelastet. Er nennt dieses Ergebnis besorgniserregend. Der Stadt entstehe dadurch ein Verlust von 80 000 Euro pro Jahr. Alle Angestellten sind über 40 Jahre alt und tariflich unkündbar. Alle Lehrkräfte seien universell als "Jugendmusikschullehrer" einsetzbar. In der Praxis führe die hohe Spezialisierung der Mitarbeiter aber zu einer ungleichen Lastenverteilung. So entsteht die Auslastungsproblematik.
Wie kann künftig das Personal effizienter eingesetzt werden?
Nach dem Abbau von übertariflichen Leistungen und der Einführung eines Ferienüberhangs, bei dem die Lehrer die Schulferien teilweise herausarbeiten müssen, soll durch Qualifizierung und Fortbildung gezielt Nachfrage geschaffen werden, um die Festangestellten auszulasten. Vorgeschlagen werden auch eine Stundenreduzierung auf freiwilliger Basis und die Einrichtung von Arbeitszeitkonten.
Was muss sich ändern?
Der Gutachter empfiehlt, die MKS in eine gemeinnützige GmbH zu überführen. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, das Musikschulgeschäft unabhängiger und flexibler zu gestalten. Eine strenge Berichtspflicht sorge für Transparenz, und für neue Mitarbeiter gebe es keine Tarifpflicht. Auf gesellschaftliche Veränderungen habe die Musikschule bisher nicht ausreichend reagiert. Es sei wichtig, Unterrichtsmodelle zu entwickeln, die in Kooperation mit anderen Bildungseinrichtungen breitere Bevölkerungsschichten erreichen.
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