Remscheid: Hebammen in Existenznot
VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 17.05.2010Remscheid (RPO). Ab dem 1. Juli steigen die Kosten für freiberufliche Hebammen sprunghaft an. Für Ramona Tiede aus der Praxis "Kugelrund" und ihre Kolleginnen bedeutet dies, dass sie um ihre Zukunft bangen müssen.
Die Kosten
Haftpflicht Freiberufliche Hebammen müssen ab Juli neben ihrer Krankenversicherung 3689 Euro Haftpflichtprämie pro Jahr zahlen.
Erhöhung Der Grund sind laut Hebammenverband massiv angestiegene Pflegekosten, wenn es bei Geburten zu Schadensfällen kommt.
Bezahlung Für eine Geburt mit Vor- und Nachsorge bekommen Hebammen laut Verband bei einer Hausgeburt 537 Euro. Durchschnittlich betreuen außerklinisch tätige Hebammen etwa zehn Frauen pro Jahr.
Ramona Tiede und ihre Kolleginnen aus dem Bekanntenkreis lieben ihren Job. Dennoch überlegen derzeit viele, ihren Traumberuf aufzugeben. Sie sind freiberufliche Hebammen und müssen um ihre Existenz bangen: Zum 1. Juli steigen die Kosten für ihre Haftpflichtversicherung rapide an. Lag der jährliche Beitrag noch vor drei Jahren bei 1200 Euro, müssen die Freiberuflerinnen künftig knapp 3700 Euro zahlen. "Zusammen mit den anderen Kosten, die wir tragen müssen, ist das sehr viel. Um genug Geld zu verdienen, müssten wir mehr Geburten im Monat begleiten, als wir leisten können", sagt Tiede.
Die Arbeitsbedingungen sind hart
Mit vier Kolleginnen hat sie sich zur Hebammenpraxis "Kugelrund" zusammengeschlossen. Dies erleichtert zwar einiges, weil sie sich beispielsweise mit dem Notruf-Handy abwechseln können. Dennoch sind die Arbeitsbedingungen hart: "Ich bin selbst vor einem Jahr Mutter geworden und hatte geplant, in etwa bei drei Geburten im Monat beizustehen", sagt Ramona Tiede. "Um Geld herauszubekommen, müsste ich aber mindestens fünf leisten." Dies bedeutet einen immens hohen Arbeitsaufwand – gehören doch zu einer Geburt auch Vor- und Nachsorge, telefonische Beratung und Kurse für die Eltern und Kinder.
Bezahlt werden die Hebammen von den Krankenkassen. "Doch die Bezahlung wird nicht an die höheren Versicherungskosten angepasst. Wir müssen uns heute über jeden Euro freuen, den wir zum Beispiel als Nachtzuschlag zusätzlich bekommt", erklärt Tiede. Sie und viele andere Hebammen in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland wollen die harten Bedingungen zur Ausübung ihres Jobs nicht hinnehmen.
In Köln und Düsseldorf demonstrierten die Hebammen ebenso wie in anderen Bundesländern. Denn wenn die Situation für sie so bleibt, wie es derzeit aussieht, sieht Angelika Josten, Vorsitzende des Landeshebammenverbandes in NRW, schwarz: "Die hohen Gebühren bedeuten das Aus einer flächendeckenden Versorgung von Gebärenden", sagte sie bei der Kundgebung in Düsseldorf.
Sie betonte, dass die Atmosphäre bei der Geburt extrem wichtig für die Bindung zwischen Mutter und Kind sei. "Wenn freiberufliche Hebammen aufgeben müssen, schrumpfen die Möglichkeiten für werdende Mütter, wo und mit wessen Beistand sie ihr Kind bekommen möchten."
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