Remscheid: Hertie – einst ein ungeliebter "Klotz"
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009Remscheid (RPO). Lennep Kaum zu glauben, aber wahr: Das historische Gebäude des Lenneper Warenhauses Hertie galt in den Jahren nach seiner Entstehung als ungeliebter, moderner Klotz. Kein geringerer als der berühmte Architekt Albert Schmidt zählte zu den Kritikern. An der Kreuzung von Kölner Straße und Wupperstraße werde "die Umgebung in ihrer Wirkung auf die dort vorüber gehenden Menschen erdrückt durch einen jener Steinkolosse, die unten aus schmalen Steinpfeilern und Glasflächen, oben aus langen schmalen Pfeilern bestehen", urteilte Schmidt in einem Artikel im Jahre 1922. Das berichtet der Nachfahre Albert Schmidts, Dr. Wilhelm R. Schmidt, in einer E-Mail an die Redaktion.
Dr. Wilhelm R. Schmidt ist Enkel von Albert Schmidt und profunder Kenner Lenneps. Er wirkt als Direktor der Bibliothek an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Inspiriert von den historischen Fotos in der BM griff er in sein Archiv, übersandte weitere Bilder – und schafft es sogar, Wissenslücken zu schließen. So berichtet er, dass das Warenhausgebäude vom Düsseldorfer Architekturbüro Klose und Schäfer entworfen und in den Jahren 1912 und 1913 erbaut wurde – als "Kaufhaus Dörrenberg". Dessen Besitzer hatte eine Villa an der Kölner Straße gleich nebenan, sie steht allerdings nicht mehr.
Vereine tagten
Vor Karstadt, später Hertie, befand sich an dem Platz ein alter bergischer Fachwerkbau mit hohem Giebel. Hier wohnte Carl Wilhelm Vollmer, der in demselben Gebäude eine Bäckerei betrieb. Außerdem befanden sich darin eine Wirtsstube mit Kegelbahn und Bühne. Dort tagten die "Gesellschaft Union", ein Zusammenschluss aus Bürgern des Mittelstandes, sowie Theatergesellschaften und Schützenvereine. Sogar Symphoniekonzerte von Militärmusikkorps wurden dort gegeben. Als das Vollmersche Haus abgerissen und das Kaufhaus Dörrenberg errichtet wurde, mussten sich diese Vereine andere Treffpunkte suchen. Vielleicht war auch deshalb die Akzeptanz der Lenneper in den ersten Jahren nach Eröffnung des "modernen Klotzes" nicht besonders groß.
Können auch Sie Geschichte(n) zu Karstadt erzählen? Dann kommen Sie zur Mobilen Redaktion der BM am Samstag, 30. Mai, 10 bis 12 Uhr, auf dem Alter Markt. Thema: "Hertie schließt – wie geht's weiter in Lennep?" Wir freuen uns auf angeregte Gespräche bei Kaffee und Gebäck.
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