Remscheid: Hertie fehlt der Kümmerer
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 25.02.2010Remscheid (RPO). Nach zwei Wasserrohrbrüchen wächst die Sorge um das denkmalgeschützte Gebäude. Beobachter fürchten Schäden für die Bausubstanz. In Sachsen stellte eine Kommune "ihren" Hertie jetzt unter Zwangsverwaltung.
Mit Daumen und Zeigefinger bildet Lutz Rosbach einen rund zwei Zentimeter großen Abstand. "So hoch stand das Wasser rund um den Aufzug, als ich Hertie verließ", sagt er. Mit Unbehagen erinnert sich der Inhaber des Lottogeschäftes an der Wupperstraße an die letzten Wochen vor seinem Umzug. Ohne Heizung harrte er im Erdgeschoss des leer stehenden Lenneper Warenhausgebäudes aus, bis ihn der zweite Wasserrohrbruch aus dem Gebäude vertrieb. In seinem neuen Ladenlokal gegenüber dem Finanzamt hat er es nun warm und trocken. Doch um Hertie macht er sich Sorgen: "Wenn da nicht bald was gemacht wird, kommt der Schimmel", vermutet er.
Das war Hertie
Die Insolvenz Die Warenhaus-Kette Hertie ging im Juli 2008 in die Insolvenz.
Das Aus Im August 2009 schloss die Lenneper Hertie-Filiale ihre Tore. Lotto-Mann Lutz Rosbach zog im Februar dieses Jahres aus.
Bisherige Berichterstattung unter www.rp-online.de/remscheid
So scheint die Bausubstanz des Gebäudes nachhaltig gefährdet zu sein. Doch die Stadt Remscheid sieht keine Möglichkeit, einzugreifen: "So lange keine Gefahr von dem Gebäude ausgeht, können wir nicht tätig werden", sagt Stadtplaner Hans-Gerd Sonnenschein auf BM-Anfrage. Und auch die Untere Denkmalbehörde sieht laut Stadt-Sprecherin Viola Juric keine gesetzliche Handhabe.
Die Fälle sind ähnlich
Es gibt indes einen ähnlich gelagerten Fall, in dem sich eine Kommune zu einem drastischen Schritt entschied: Die sächsische Stadt Görlitz hat ihr ehemaliges Hertie-Kaufhaus unter Zwangsverwaltung gestellt. Zwischen Görlitz und Lennep gibt es viele Parallelen. Beide Gebäude sind im Jahre 1913 erbaut und denkmalgeschützt. Beide Städte haben Forderungen an die Inhaber: In Görlitz musste die Feuerwehr ausrücken, um Eiszapfen abzuschlagen, in Remscheid, um Wasserrohrbrüche zu beheben. Zudem erledigten beide Städte den Schneeräumdienst, und in Görlitz bestellte die – ebenfalls hoch verschuldete – Kommune Heizöl, um Frostschäden vorzubeugen.
Das alles kostet Geld: Der Stadt Remscheid schuldet der Eigentümer des Hertie-Gebäudes "eine größere Summe", wie Sonnenschein sagt. Wie hoch dieser Betrag ist und wie er sich zusammensetzt, will er nicht preisgeben. Nur so viel: "Forderungen, die die Stadt Remscheid hat, wird sie auch eintreiben." Das hat indes auch die Stadt Görlitz versucht, wie die dortige Pressesprecherin berichtet. Mahnungen blieben jedoch unbeantwortet. Eine Chance zum Eingreifen sah die Kommune, als auch die Grundsteuer-Zahlungen ausblieben – eine "vorrangige Forderung", wie der Görlitzer Zwangsverwalter Frank Heinrich im BM-Gespräch erläutert. Die schlimmsten Schäden hat er zwischenzeitlich reparieren lassen. Demnächst soll das Gebäude zwangsversteigert werden.
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